Derby? What’s a Derby? – Rücklick MBC-ALBA

Derby time - Tübinger Fans!
Derby time – Tübinger Fans!

Sport lebt von Derbies, Derbies sind etwas Tolles, oft auch etwas Aussergehöhnliches, emotional Bewegendes. Das DERBY ist meist DER Höhepunkt für Fans im Sportjahr. Derbies sind das Salz in der Suppe und elektrisieren die Massen. Die Sportwelt ist reich an Derbies in nahezu jeder Sportart. Manchester City gegen United, 1860 gegen Bayern, St. Pauli gegen HSV, die „Mutter aller Derbies“ für Balltreter, das Ruhrderby Dortmund gegen Schalke oder Flensburg gegen Kiel im Handball. Auch Basketball hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten: Die baden-würtembergische Dialekt-Rivalität Baden gegen Schwaben, d.h. Tübingen gegen Stuttgart, das Nordderby zwischen Oldenburg und Quakenbrück, das Frankenderby zwischen Bayreuth und Bamberg um nur einige zu nennen. Sportfans haben eine tiefe Sehnsucht nach Derbies. Aber der Wunsch allein macht noch kein Derby. Was also macht ein Derby zum Derby?

Derbies sind durch verschiedene Faktoren bestimmt und geprägt. Im Wesentlichen kann man drei Punkte festmachen, die ein Derby ausmachen:

  • verhältnismäßige räumliche Nähe
  • sportliche und sonstige Rivalitäten
  • eine gewisse zeitliche Historie

Ein Derby findet in der Regel in der gleichen Stadt oder zumindest gleichen Region statt und moblisiert durch die räumliche Nähe überdurchschnittlich viele Fans, die ihr Team zu „Auswärtsspielen“ begleiten. Oft sind Derbies neben sportlichem Konkurrenzkampf mit weiteren Rivalitätsfaktoren verknüpft, seien es regionale Rivalitäten wie zwischen Badenern und Schwaben (Tübingen vs Ludwigsburg), schein-politische Ausrichtungen wie zwischen St. Pauli und dem HSV oder einfach nur das allzeit beliebte Arm gegen Reich, zum Beispiel 1860 gegen Bayern München. Und Derbies brauchen Zeit, um zu wachsen, damit sich Rivalitäten entwickeln.

Was hat das nun alles mit der Partie des Mitteldeutschen Basketball Clubs in Leipzig gegen Alba Berlin zu tun? GENAU! Nichts, absolut gar nichts! Vermutlich führt der Wunsch, selbst auch ein Derby zu haben, zu zarten Versuchen, Partien zwischen dem MBC und Alba zu eben so einem Derby zu machen. Das ist es jedoch – leider – nicht! Zwischen den beiden Städten liegen über 200 km, Weissenfels liegt im übernächsten Bundesland (Sachsen-Anhalt) und auch die sportliche Rivalität ist eher unter- als überdurchschnitllich. Zudem ist der MBC erst seit 10 Jahren in der BBL und das auch noch mit diversen Unterbrechungen. Auch dadurch kann sich keine echte Derby-Stimmung zwischen den beiden Vereinen entwickeln. Die Duelle mit den Mitteldeutschen sind oft interessant und reizvoll, aber man sollte nicht mehr daraus machen, als sie sind.

„Event“ game: MBC-ALBA 81:96

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Trotzdem kam es am Samstag, 24.01.15, nicht zu einem ganz „normalen“ Basketball-Spiel. Der MBC war für dieses Spiel in die über 7.000 Zuschauer fassende Arena Leipzig umgezogen und hatte die Partie zum „Event game“ ernannt. Event bedeutete in diesem Fall aus Berliner Sicht, für richtig teure Karten (27,50 Euro) weit weg vom Geschehen, weit hinter der Grundlinie zu stehen. In einer 2/3 gefüllten Halle mit mäßiger Stimmung und Akustik. Auf das label „event“ hätte man gut und gerne verzichten können. Die Weißenfelser (hardcore-)Fans übrigens auch, die hätten es auch lieber gesehen, wenn das Spiel im heimischen „Wolfsbau“ mit Hexenkessel-Atmosphäre stattgefunden hätte. Für Fans war das eher nichts. Für den Club könnte es sich bei zirka 2.500 Zuschauern mehr, als im Saisonschnitt und deutlich höheren Eintrittspreisen trotz Hallenmiete gelohnt haben – allerdings auf Kosten der eigenen und der Gästefans und auch auf Kosten der Stimmung.

Routiniert und souverän

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Beim zweiten Auswärtsspiel von Alba Berlin innerhalb von weniger als 48 Stunden stellte sich der geneigte Fan schon die Frage, inwieweit sich die Reisestrapazen negativ auf das Spiel auswirken würden – und wurde positiv überrascht. Alba begann sehr konzentriert und defensiv engagiert und erspielte sich bereits im ersten Viertel einen zweistelligen Vorsprung und zog damit den Gastgebern schon von Anfang in gewisser Weise den Zahn. Nach einer 15-0-Serie gegen Ende des zweiten Viertels, war bereits zur Halbzeit bei einer 20-Punkte-Führung allen in der Halle klar, wer das Parkett als Sieger verlassen würde. Das kam Head coach Sasa Obradovic sehr entgegen, denn so konnte er Leistungsträger nach einer kräftezehrenden Woche etwas schonen. Dafür spielten sich andere Spieler in den Fokus. Herauszuheben wären dabei Kapitän Alex King, der offenbar besonders gern gegen den MBC antritt; bereits in der letzten Saison hatte er in Weissenfels eines seiner besten Saisonspiele gemacht und vor allem den Star des MBC, Angelo Caloiaro, effektiv ausgeschaltet. In Leipzig lief es nicht schlechter. Albas Topscorer (19 Punkte) leistete sich nicht einen einzigen Fehlwurf aus der Nah- und Mitteldistanz. Ebenfalls deutlich über seinem Saisonschnitt lag Albas Defense Ass Akeem Vargas mit 13 Punkten. Unter besonderer Beobachtung stand auch Albas Aushilfs-Center Jannik Freese in seinem zweiten Spiel für Alba, seinem ersten mit signifikanter Spielzeit. Sieben Rebounds in nur gut 17 Minuten können sich sehen lassen, sein defensives Engagement ebenfalls. Die komfortable Situation der frühen, hohen Führung ermöglichte eine 11er Rotation, bei der jeder Spieler mindestens 10 Minuten spielen durfte. Youngster Ismet Akpinar kam zu seinem längsten Einsatz für Alba bisher und zeigte, dass er in Spielen gegen Teams des unteren Tabellendrittels durchaus die Rotation verstärken kann.

Der MBC hat sich im Rahmen der Möglichkeiten gut verkauft. Den entsprechenden Etatunterschied muss man bei der Bewertung natürlich berücksichtigen. Im Frontcourt waren sie Alba sehr klar unterlegen und suchten ihr Heil mit Würfen von aussen. Durchaus recht erfolgreich mit immerhin 15 erfolgreichen Dreiern (bei 34 Versuchen), aber nur von aussen kann man nicht gewinnen. Jedenfalls nicht, wenn Alba am Brett so deutlich überlegen ist.

SAMSUNG CSCAuch wenn es kein „Derby“ war, so motiviert ein Spiel beim MBC (auch in Leipzig) doch mehr Berliner zu einer Auswärtsfahrt. In einer größeren Gruppe macht Support einfach mehr Spaß. Zudem ist man schnell dort und schnell wieder zu Hause. Da das Team auch noch „mitspielte“, kann man doch von einer sehr gelungenen Auswärtsfahrt sprechen – trotz teurer Karten und mäßiger Plätze!

Hier noch jede Menge Fotos vom Spiel:

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