Der veränderte Rivale

brose-alba_3Weihnachten ist die besinnliche Zeit, in der die Familien zusammenkommen um die Festtage gemeinsam in Ruhe zu verbringen. Die Gans wird verdaut, die Weihnachtsgeschenke werden verteilt sein, wenn Alba Berlin am 2. Feiertag (15:00 Uhr) auf die alten Rivalen aus Bamberg trifft. Berlin gegen Bamberg, das ewige Duell: da spricht wenig für einen ruhigen Feiertag. Oder etwa doch nicht?

Anekdoten, Nickligkeiten, abgrundtiefe Abneigung prägten jahrelang das Duell zwischen den Preußen und den Franken. Nicht nur auf dem Feld, sondern ganz besonders auf den Rängen wurde diese Feindschaft gepflegt. Doch was ist davon übrig geblieben? Bereits im letzten Jahr verlor das Duell an Reiz, vielleicht auch weil der Fokus beiderseits, eher auf den Emporkömmling aus München gelegt wurde. Während Alba im vorletzten Sommer offiziell einen Schritt zurück machte und sich sportlich neu orientierte, gab es für Bamberg nur ein Ziel: die Vormachtstellung zu halten oder sogar auszubauen. Vier Meisterschaften in Serie sollten nur der Anfang sein, auch in der Euroleague mussten unbedingt Erfolge her. Ziele, die sicherlich von einem Grossteil von „Freak City“ geteilt aber maßgeblich von einem Mann angetrieben wurden: Michael Stoschek.

Bamberg: das war eine große, fanatische (aus Berliner Sicht oft auch sehr unsympathische) Anhängerschaft, ein Geschäftsführer der regelmäßig mit völlig absurden T-Shirts das Geld aus den Taschen der Fans zog um Spieler zu finanzieren und stets die Rolle des Underdogs pflegte (obwohl man finanziell dieser schon längst entwachsen war). Das war einmal. Bamberg, das ist jetzt Michael Stoschek.

Alba Berlin Vs. Brose Baskets Bamberg

Fangen wir von vorne an: Im Jahr 2006 wurde in Franken noch unter dem Namen GHP Bamberg Basketball gespielt. Finanzielle Probleme des Namenssponsors GHP und des Trikotsponsors Nici brachten den Verein in Schwierigkeiten. Gelöst wurde das Problem durch den Einstieg des Automobilzulieferers „brose“. Der finanzielle Segen war damit zwar immer noch nicht gesichert aber fortan blieb der Klub immerhin von ständigen Namenswechseln verschont.

Im Verlaufe der Zeit gewann brose immer mehr an Einfluss im Verein. Mittlerweile wurde die Arena nach Wünschen des Namensponsors umgebaut, der sich auch die Namensrechte an der Halle sicherte. Unruhe machte sich bereits im Jahr 2013 breit, als der langjährige Mäzen Franz Stegner zunächst ankündigte nicht länger die Heimarena finanzieren zu wollen (nachdem herauskam, dass der Verein bereits Verhandlungen für einen neuen Namenssponsor der Halle führte). Nur wenige Monate später wandte sich Michael Ehlers (Vorsitzender des brose Baskets Bussines Club) mittels eines offenen Briefes in einer Lokalzeitung an die Öffentlichkeit. Er äußerte, gemeinsam mit weiteren (Kleinst-)Sponsoren, die Sorge die zahlreichen kleineren Gönner würden nicht ernst genommen werden. Ausgerechnet die vielen lokalen Unternehmen also, die maßgeblich für das komplette Konzept aus Bamberg standen. Kein Zentimeter Werbefläche wurde in der Arena früher ausgelassen.

Die kleinen und großen Streite waren außerhalb von Bamberg nur schwer zu durchschauen. Es drängte sich jedoch immer mehr der Eindruck auf, dass mit Michael Stoschek als Vorsitzender von brose ein neuer Sonnenkönig in Bamberg regierte. Einer der zweifelsohne den Verein nach vorne bringen wollte, dafür aber auch immer mehr und mehr die Zügel selber in die Hand nahm.

Zum großen Knall kam es dann in der Offseason 2014. Chris Fleming musste nach einer schwachen Saison gehen, kurz darauf stellte Wolfgang Heyder seinen Posten zur Verfügung. Heyder war für viele in positiver wie negativer Hinsicht das Gesicht des Bamberger Basketballs schlechthin, nun zog er im Machtkampf mit Stoschek den Kürzeren. Für Außenstehende schwer vorstellbar. Das wäre so, als würde sich Axel Schweitzer öfter in die sportliche Belange von Alba Berlin einmischen, Sasa Obradovic eigenhändig entlassen und Marco Baldi oder Mithat Demirel zum Abgang forcieren.

Auch die Fans in Bamberg nahmen diese Entwicklung nicht ohne Murren hin. Plötzlich war die Fangemeinde, die sonst immer so fest zum Verein stand, tief gespalten. Drohungen, die Dauerkarte zu kündigen machten die Runde, Gruppen gegründet, die sich für Chris Fleming stark machten. Für Bamberger Verhältnisse also pure Anarchie.

Was ist davon übrig geblieben? Nicht viel, möchte man meinen. Doch die Entwicklung in Bamberg zeigt, wie gefährlich es sein kann, sich auf einen Mäzen zu verlassen. Noch funktioniert das Gebilde um brose, weil Michael Stoschek genug Geld in den Verein pumpt. Doch was passiert, wenn dieser nicht mehr möchte? In naher Zukunft scheint das eher ausgeschlossen zu sein. Aber ein Blick nach Coburg zeigt, wie schnell es vorbei sein kann. Dort hatte Stoschek die Finanzierung des lokalen Handballverein eingestellt, nachdem es zu einem Streit mit Lokalpolitikern gekommen war. Es ist eine gefährliche Abhängigkeit, in die sich der Klub begeben hat. Eine Abhängigkeit die schon andere Vereine in den Abgrund getrieben hat (z.B. Köln). Der Basketball in Bamberg wird wahrscheinlich nie völlig untergehen können, dazu ist er zu sehr in der Region verwurzelt aus eigener Kraft gewachsen und gefestigt. Seine Identität hat er jedoch fürs Erste verscherbelt.

Zum Sportlichen:

Eine neue Identität hat der Verein auch auf dem Spielfeld; die Bamberger erlebten einen ähnlichen Radikalumbruch wie Alba im Sommer 2013. Vom letzjährigen Kader sind nur zwei Spieler übrig geblieben: Karsten Tadda und Elias Harris. Den ersten großen Umbruch gab es an der Seitenlinie. Der langjährige Erfolgsgarant und neue Bundestrainer Chris Fleming wurde durch den italienischen Starcoach Andrea Trinchieri ersetzt. Nachdem Sasa Obradovic gegenüber Fleming in den letzten zwei Jahren in den direkten Duellen Nasen meistens die Nase vorne hatte (5 zu 2 nach Siegen für Sasa), wird es interessant zu beobachten, wer das erste Ligaduell zwischen den beiden extrovertierten Coaches für sich entscheidet. Trinchieri kann dabei immer noch auf einen exzellenten Kader zurückgreifen. Ähnlich wie Alba im vorletzten Sommer, äüßerte man sich in Bamberg zunächst einmal vorsichtig zu den nationalen Zielen und bezeichnete die Saison als „Übergangsjahr“. Intern dürfte es jedoch deutlich konkretere Erfolgskriterien geben, denn der Etat der Mannschaft dürfte nur unwesentlich hinter dem des FC Bayern München Basketball liegen und damit ein gutes Stück über dem von Alba Berlin.

Die deutschen Positionen sind bei den Franken interessant besetzt. Spieler wie Daniel Theis, Elias Harris, Daniel Schmidt oder Andreas Obst sind jung und bringen viel Entwicklungspotenzial mit, dazu gesellen sich mit Karsten Tadda und Dalibor Bagaric erfahrene Akteure. Eine größere Rolle in der Rotation spielen aktuell jedoch nur Daniel Theis und Karsten Tadda, Harris hinkt seiner Form und den Erwartungen an ihn um Meilen hinterher, Schmidt und Obst sind noch jung und müssen noch lernen, Bagaric ist überfordert, wenn es nur ein kleines bisschen schneller wird. Bei den deutschen Postitionen sind die Mitkonkurrenten mindestens gleichwertig aufgestellt, eher besser.

Vergleichsweise jung sind auch die neu verpflichteten Spieler mit ausländischem Pass. Keiner der US-Amerikaner (Brown [verletzt], Duncan, Mbakwe, Shipp, Thompson, Wannamaker) ist älter als 28 Jahre. Trotzdem bringen sie eine Menge Qualität mit. Wannamaker vermag es hervorragend, seine Mitspieler in Szene zu setzen, verfügt aber auch über genügend individuelle Qualität, um im 1-1 zum Erfolg zu kommen, wenn nötig. Thompson wurde von Alba Co-Trainer Mauricio Parra als „der beste Dreier der Liga, sehr stabil und konstant in seinen Leistungen“ bezeichnet. Mbakwe ist ein begnadeter Rebounder, räumt alles weg, was da kommt, hat aber noch gewisse Defizite im Zusammenspiel. Duncan befindet sich nach längerer Verletzung aktuell auf dem Weg zu besserer Form und auch Shipp, der als Ersatz für den verletzten Brown kam (den er nicht adäquat ersetzen können wird), findet sich nach anfänglichen Problemen so langsam ins Team. Wie es bei so einem vergleichsweise jungen und neu zusammen gestellten Team so ist, läuft noch nicht alles perfekt. Dennoch zeigte das Team in mehreren Spielen bereits das vorhandene Potenzial. Bamberg ist in diesem Jahr ohne Wenn und Aber wieder einer der Favoriten auf den Titel – Umbruch hin oder her!

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Hinzu kommt noch, dass Alba sich in den letzten zwei Spielen (gegen Zagreb und Frankfurt) schwer tat und anscheinend dem harten Programm mit vielen Spielen innerhalb weniger Tage Tribut zollt. Auch davor, gegen Tübingen und Ludwigsburg wirkte die Mannschaft, trotz letztendlich deutlicher Siege, nicht mehr ganz so souverän und frisch.

Der letzte Sieg in Bamberg in der Bundesliga liegt nun auch schon 4 Jahre zurück. Damals spielten noch Julius Jenkins und Immanuel McElroy für Alba, an der Seitenlinie stand Luka Pavicevic. Die damalige Niederlage hätte Chris Fleming fast den Job gekostet. Lang ist es her. Es ist Zeit!

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