Der Albatros fliegt unter dem Radar

Wo bleibt die Konstanz? Nicht nur über mehrere Spiele betrachtet, sondern selbst innerhalb eines Spieles kann man sich als Alba-Fan oft genug die Haare raufen. Nach dem schwachen Start in das neue Jahr, machte der Sieg gegen Bonn aber auch die Niederlage gegen Krasnodar und in Vilnius Hoffnung auf spielerische Besserung. Doch nur eine Woche später fühlt man sich wieder zurück an die Startlinie versetzt: die durchwachsene Leistung gegen Trier und das endgültige Ausscheiden im Eurocup durch die gestrige Heimniederlage fühlen sich einfach nicht gut an.

Allein das Spiel am vergangen Dienstag gegen Vilnius fühlte sich in meinen Augen an, wie ein Spiegelbild der letzten Wochen: Kyle Weaver springt mit vollem Einsatz hinter einem Lose-Ball hinterher um direkt im Anschluss nur trabend in die Verteidigung zurück zu gehen. Heiko Schaffartzik spielt einen genialen Pass auf Bryce Taylor um nur etwas später einen katastrophalen Turnover zu produzieren. Minutenlang konnte das Team in der zweiten Hälfte durch die Verteidigung erfolgreich keinen Punkt zulassen um aber dafür auf der Gegenseite selber in der Offensive viele Punkte liegenzulassen und sich damit jegliche Chance das Spiel wieder ausgeglichen zu gestalten, zu nehmen.

Einerseits kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen: zu gut, zu abgezockt wirkten die Litauer, zu merkwürdig die Schiedsrichterleistung (zumindest in der Halle). Doch andererseits zeigte das Kollektiv auch erneut ärgerliche Schwächen in der defensiven Rotation und in der Offensive, sobald man sich in Einzelaktionen verlor. Die größte Stärke des Teams, die Ausgeglichenheit, erweist sich gerade auch als große Schwäche. Kein Akteur spielt absolut schlecht, leider aber überzeugt auch niemand konstant.

Man kann aus dem europäischen Ausscheiden natürlich nun hoffen, dass der Fokus nun voll auf die Bundesliga gelegt wird. Gordon Herbert ließ schon vorletzte Woche beim Medientraining verlauten, dass man in der Bundesliga wieder anfangen müsse Leistung zu bringen. Unter dem Strich bleibt aber ein erneutes deutliches Ausscheiden im Eurocup Top16, welches den europäischen Ambitionen der Albatrosse auf die Dauer nicht gut tut.

Es ist verständlich, dass kein Team den Ausfall beider Center problemlos überstehen kann: ohne Torin Francis in guter Form und ohne Yassin Idbihi kann Alba nicht in der Spitze konkurrenzfähig sein. Doch es wird trotzdem Zeit für den Rest des Teams den Weg zur alten Stärke zu finden. Das kommende Spiel gegen Göttingen ist hierfür kein Maßstab. Doch schon am nächsten Mittwoch steht ein richtungsweisendes Spiel im Pokalviertelfinale an und nur drei Tage später kommt mit den Artland Dragons ein brandheißer Rivale um die Spitzenpositionen in die o2-World.

Die Meisterschaft wird nicht im Februar entschieden. Vielleicht ist es für die Mannschaft auch gut, nicht als Favorit in die entscheidende Saisonphase zu gehen. Wenn man die Ergebnisse der letzten Monate sieht, könnte der Eindruck entstehen, in Berlin spiele ein mittelmäßiges Team. Doch die Mannschaft zeigt Phasenweise, wie gut sie spielen kann. Es gilt nun den Schalter rechtzeitig umzulegen, die angeschlagenen und verletzten Spieler wieder behutsam den Rhythmus finden zu lassen um dann im Frühling auf Touren zu kommen.

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