Das wichtigste Spiel der Saison

ALBA Berlin kämpft am Sonntag in Bamberg um den Pokal.

Das Ziel ist klar ... Finale, Bamberg, Pokal Foto: entstanden auf der Fahrt zum Eurocup-Auswärtsspiel von ALBA Berlin in Monaco
Das Ziel ist klar … Finale, Bamberg, Pokal
Foto: entstanden auf der Fahrt zum Eurocup-Auswärtsspiel von ALBA Berlin in Monaco

Am Sonntag, 17.02.2019, 15 Uhr, spielt Alba Berlin in der brose Arena in Bamberg um den ersten Titel der Saison und kann sich für eine bisher gute Saison belohnen. Gegner wird das Team von brose Bamberg sein, die vor den heimischen Fans natürlich selbst den „Pott“ in die Luft recken wollen.

Keine Rolle darf dabei mehr der Ärger über den absurden Modus des neuen Pokal-Wettbewerbs spielen. Da hat die easycredit BBL schlichtweg versagt. Dass ein Team, hier Alba, im Viertel- und Halbfinale als auch im Finale auswärts antreten muss, kann man mit „Pech“ noch gut hinnehmen, so ist nun mal das Wesen eines Pokalwettbewerbs. Dass aber das Team, das bei der Auslosung des Heimrechts einfach kein Glück hatte, dann auch noch den Malus hinnehmen muss, vor nahezu keinen eigenen Fans – 420 Tickets bzw. 7% der Platzkapazität sind ein Witz – spielen muss, hat nichts aber auch gar nichts von einem Pokalwettbewerb. Das schreit nach einer dringenden Änderung des Modus. Der Erfolg des Pokalwettbewerbs im Fußball liegt auch am Final-Modus, wo zwei nahezu gleich große Fangruppen (21.000 Tickets je Team) an einem neutralen Ort aufeinander treffen. Darüber sollte die BBL mal nachdenken; es muss ja für den Anfang nicht gleich das Berliner Olympiastadion sein. Aber es ist für dieses Jahr nicht mehr zu ändern und ein Thema, was die Protagonisten auf dem Parkett nur am Rande streift. Und letztlich haben es die Berliner ja doch irgendwie mehr oder weniger kreativ geschafft deutlich mehr als 500 Fans in der Halle unterzubringen (man spricht sogar von knapp 700).

Der Heimvorteil und die Halle sind also zumindest ein Pluspunkt für die Bamberger. Die einheimischen Fans sind zwar nicht unbedingt für große Kreativität bekannt, aber laut können 5.000 Bamberger sehr wohl sein. Da wird geklatscht, gepappt, geklatschpappt, klatschgepappt, geklatschgepappt oder wie auch immer man das Geraschel mit gefalteten Pappen nennt, dass die Schwarte kracht. Die Trommelfelle von ca. 87 Trommeln werden in einer Weise malträtiert, dass die Trommelfelle der Zuschauer zu platzen drohen. Die über 500 Alba-Fans werden trotzdem eine gut sichtbare gelbe Insel im roten Meer bilden, die sich auch Gehör verschaffen wird.

„Grau is im Leben alle Theorie, aber entscheidend is aufm Platz“ (bzw. Parkett) wie wir ja alle dank BVB Legende Adi Preißler wissen. Und da, also auf dem Parkett, muss man vor den Bambergern immer noch eine Menge Respekt haben. Auch wenn der Nachfolger von Alba Berlin als Seriensieger der Basketball Bundesliga die Rolle als dominierendes Team spätestens in der letzten Saison an die Münchner abgeben musste, ist das immer noch eine Organisation mit einem Etat von 17 Millionen Euro (Aussage vom Bamberger Sportdirektor Ginas Rutkauskas im Sommer gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“) und damit fast doppelt so viel wie der Gegner aus Berlin. Deutlich weniger als die 25 Millionen Euro in der Vorsaison (ebenfalls lt.  Rutkauskas), aber immer noch gut genug, um einen hochkarätigen Kader zusammenzustellen. Einen Umschwung wollte man in dieser Saison einleiten, auf junge, hungrige Spieler setzen … hat dann aber nahezu keine verpflichtet bzw. haben diese jungen Spieler wie Leon Kratzer oder William McDowell-White den Verein mangels Perspektive schon wieder verlassen. Andere junge Spieler wie Louis Olinde und Arnoldas Kulboka wurden nur bei etwas über der Hälfte aller Spiele überhaupt eingesetzt. Zu allem Überfluss hat eine hohe Heimniederlage gegen Rasta Vechta auch noch Coach Ainars Bagatskis den Job gekostet. Sicher nicht nur das eine Spiel, sondern auch Schwächen bei der Teamzusammenstellung und besonders der Teamdefense. Der neue Trainer Federico Perego legt inzwischen mehr wert auf Verteidigung, was die Leistungen der Mannschaft doch deutlich verbessert und stabilisiert hat. Aber auch Perego kann nur mit Wasser kochen, ein Spieler wie Tyrece Rice wird immer eher seine Stärken in der Offense haben und das auch nicht mehr wesentlich auf seine „alten Tage“ ändern. Offensiv hat das Team eh Potenzial ohne Ende, mehr als eine handvoll Spieler, die 20 Punkte erzielen und ein Spiel entscheiden können. Auch wenn die Spiele der Bamberger gerade zum Saisonbeginn „rumpelig“ wirkten und die euroleague-verwöhnten Fan oft etwas zu mosern fanden: die Ergebnisse stimmen, Bamberg gewinnt die meisten seiner Spiele, wenn auch nicht immer souverän. Hinzu kommt eine Menge Erfahrung. Spieler wie Tyrece Rice, Nikos Zisis oder Ricky Hickman haben bereits große internationale Titel (Euroleague) gewonnen, Bryce Taylor, Elias Harris, Augustine Rubit oder Patrick Heckmann haben immerhin schon nationale Titel sammeln können. Die meisten Spieler haben schon diverse do-or-die-Spiele erfolgreich bestritten.

Die Bamberger Spieler wissen wie man Titel gewinnt, die Berliner Spieler wollen unbedingt Titel gewinnen! Klar, Luke Sikma hat den Titel in der spanischen ACB geholt, Niels Giffey und Peyton Siva haben die College Meisterschaft gewonnen und Rokas Giedraitis die nicht ganz so bedeutende Baltic Basketball League, aber der Großteil der Alba-Spieler ist noch heiß auf den ersten größeren Titel. Und Coach Aíto ist einer der erfolgreichsten Trainer Europas und wird auch in Deutschland nicht ohne Titel bleiben wollen.  Auch die Saison von ALBA Berlin war bisher nicht frei von Problemen, jedoch lagen diese – neben Motivationsproblemen hier und da – eher auf der gesundheitlichen Seite. Lediglich Rokas Giedraitis, Luke Sikma und Kapitän Niels Giffey konnten alle 18 BBL-Partien bestreiten, alle anderen Spieler mussten immer mal wieder aufgrund von Verletzungen passen. Coach Aíto konnte noch in keinem Saisonspiel den kompletten Kader aufbieten. Einerseits ein Nachteil, andererseits boten diese Situationen immer wieder Herausforderungen für immer wieder andere Spieler, die Verantwortung übernehmen mussten und daran wachsen konnten. Selbst ganz junge Spieler wie Franz Wagner oder Jonas Mattisseck mussten und konnten in die Bresche springen. Schwierige Situationen schweißen auch als Team zusammen. Durch die Spielweise von Aíto sind die Spieler auch gewohnt, selbständig Entscheidungen zu treffen und sich gemeinsam aus schwierigen Situationen zu befreien. Teamchemie und Zusammenspiel sind sicher ein Pluspunkt auf Berliner Seite.

Bei Bamberg gegen Berlin treffen auch sehr unterschiedliche Spiel-Philosophien aufeinander. Während Bamberg auf Ballsicherheit und kontrolliertes Spiel setzt, versucht aus dem sicheren Halbfeldspiel systematisch zum Erfolg zu kommen und am Ende auf den absoluten go-to-guy Tyrece Rice setzt, versucht Alba Berlin eher situativ zu erfolgreichen Lösungen zu kommen. Das ist schwer vom Gegner zu „lesen“, aber auch fehleranfällig (turnover). Alba Berlin ist in den meisten Statistiken besser als Bamberg, erzielt mehr Punkte bei besseren Quoten, holt mehr Rebounds, spielt mehr Assists, ist das effektivere Team und schafft deutlich mehr Ballgewinne, aber leider hat Statistik kein Gedächtnis. Für ein Spiel ist es nicht besonders wichtig, was durchschnittliche Saisonstatistiken aussagen. Auf jeden Fall kann man sich auf tolle match ups und Duelle freuen. Die „Brocken“ Alexander und Nnoko gegeneinander. Wer kann Tyrece Rice stoppen? Kann Bamberg Albas Pointforward Sikma einengen? Welche Mittel finden die Berliner gegen „Mr. Zuverlässig“ Augustine Rubit? Wird gar ein Spieler auf einer Seite, den man nicht auf der Rechnung hat, über sich hinaus wachsen und das Spiel entscheiden? Für Spannung ist gesorgt!

Wenn man aus Berliner Sicht etwas „Pfeifen im Walde“ betreiben will, finden sich dafür durchaus Ansätze (die man freilich mit einem Augenzwinkern sehen muss):

  • Wenn Alba mal das Pokalfinale erreicht, haben sie Quoten, wie bei nordkoreanischen Präsidentenwahlen. Sie haben bisher elf Mal das Finale erreicht und dabei neun Mal gewonnen (82%)!
  • Alba hat noch nie ein Pokalfinale gegen Bamberg verloren. Auch wenn es erst ein Finale gegeneinander gab, immerhin eine 100% Quote.
  • Alba hat 2006 das Pokalfinale in Bamberg gewonnen. Viele Alba-Fans werden sich noch gern daran erinnern. Es wird mal wieder Zeit.
  • Alba hat seit fast zwei Jahren kein Spiel mehr gegen Bamberg verloren, die letzten drei Spiele gewonnen. Selbst in dieser Saison, als mit Peyton Siva, Martin Hermannsson, Joshiko Saibou und Kenneth Ogbe gleich vier Spieler verletzt fehlten.

 

. #aufgehtsalbakaempfenundsiegen

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