Das große alba-inside Sommerinterview mit Himar Ojeda, Teil VIII

Es ist zu einer schönen Tradition geworden, dass wir uns im Sommer mit Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda zu einem ausführlichen Interview treffen. So auch wieder in diesem Jahr. Um ein wenig tiefer in die Basketball-Materie einzutauchen, Dinge zu besprechen, die im Tagesgeschäft zu kurz kommen. Wir sprachen über die Offseason, die kommende Saison, den neuen Kader, die Euroleague, den Nachwuchs und haben ein wenig weiter als über ein Jahr hinaus geschaut.
Erster Teil: Rückblick auf die vergangene Saison, uns im
Zweiter Teil: Herausforderungen der Offseason
Dritter Teil: Zu- und Abgänge im Backcourt
Vierter Teil Zu- und Abgänge auf den großen Positionen,
Fünfter Teil: Vorteile und Herausforderungen der Euroleague.
Sechster Teil: Nachwuchsarbeit bei ALBA Berlin und in der BBL.
Siebter Teil: Vor- und Nachteile einer Ausbildung am College gegenüber dem direkten Weg in den Profi-Basketball. 
Zum Abschluss besprechen wir nun noch das Thema Budget und blicken ein wenig weiter als über die aktuelle Saison hinaus.

Du hattest erwähnt, dass der Verein große Anstrengungen unternommen hat, Spieler zu halten und Angebote zu verbessern. Das bedeutet logisch eine Erhöhung des Budgets. Kannst du dazu etwas sagen? Sicher nicht konkrete Zahlen, vielleicht in Prozenten?

Ja, das Budget wurde erhöht. Wobei die Frage nach Details eher eine Frage für Marco [Baldi] wäre. Die Grundlage und Motivation ist eine sehr ehrgeizige Mentalität und die Mentalität, wettbewerbsfähig sein zu wollen. Dafür müssen wir so viele Dinge absichern, wie möglich, z.B. einen Kader mit 14, 15 Spielern, denn wir wollen die komplette Saison wettbewerbsfähig sein. Dafür müssen wir mehr ausgeben für Gehälter, Wohnungen, Autos und andere Dinge mehr. Wir haben für unsere Verhältnisse einen guten Schritt gemacht. Es sind immer noch viele Teams vor uns, aber ich bin sehr dankbar für die großartige Arbeit, die der Verein in dieser Hinsicht geleistet hat. Das hat es mir ermöglicht, das Team so zusammenzustellen, wie ich es zusammenstellen wollte.

Es ist interessant, dass in Europa Budgets „top secret“ sind und es in den USA das absolute Gegenteil ist. Warum gibt es in dieser Hinsicht solche großen Unterschiede.

Ich kann es anhand von Spanien besser erklären, als für Deutschland. In den USA ist die Mentalität eine komplett andere und die Gesellschaft „tickt“ auch vollkommen anders. Dort ist viel Geld ein Zeichen für Erfolg, man zeigt das auch gern nach außen und es dient als Motivation für andere, das auch zu erreichen. Es ist dort absolut normal, zu zeigen, was man hat. In Europa, auf jeden Fall in Spanien, ist es eher so, dass so ein Verhalten wie in den USA in erster Linie Neid erzeugt. Das wird hauptsächlich negativ gegen die verwendet, die etwas haben. Da wird dann negativ hinterfragt, wo das Geld herkommt und wofür es ausgegeben wird bzw. wofür es nicht ausgegeben wird. Die Mentalität in den USA ist wirklich sehr unterschiedlich, der Glaube an das Individuum, den „amerikanischen Traum“, sprichwörtlich vom Tellerwäscher zum Millionär, ist in der Gesellschaft stark verwurzelt. Wenn man in Europa zeigt, was man hat, führt das sehr schnell dazu, dass man angegriffen wird. Das ist in den USA anders, dort wird kaum ein NBA-Spieler dafür angegriffen, dass er so viel Geld verdient und ihm wird nicht ständig erklärt, was er mit dem vielen Geld machen sollte, wofür er es ausgeben sollte, was er davon unterstützen sollte. In den USA wird man eher bewundert für das, was man geschafft hat, in Europa argwöhnisch betrachtet.

Himar, du hast uns schon sehr viel von deiner Zeit gegeben, deswegen kommen wir zu den abschließenden Fragen des Interviews. Was muss passieren, damit du die bevorstehende Saison als Erfolg einordnest? 

Wir möchten bis zum Schluss in der BBL und im Pokal dabei sein, also um die deutschen Titel mitspielen. In der Euroleague wollen wir wettbewerbsfähig sein. Ein gutes Ergebnis wäre ein Platz im Mittelfeld der Tabelle. So kann man unsere sichtbaren, materiellen Ziele beschreiben. Wir wollen aber auch guten Basketball spielen und die Spieler weiterentwickeln, sowohl die jungen, als auch die älteren. Selbst Peyton Siva oder Luke Sikma können sich noch verbessern.

Diese zwei Aspekte möchte ich aber zusammenfassen. Wenn wir jedes Spiel eine volle Halle haben, ist es eine erfolgreiche Saison. Denn das würde bedeuten, dass wir guten Basketball spielen, die Zuschauer begeistern und erfolgreich sind. 

Aito hat seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Was danach kommt, weiß man noch nicht. Du hast sicherlich schon einige Ideen. Kannst du uns darüber etwas sagen oder ist das noch zu weit weg? 

Zum einen ich möchte, dass Aito so lange wie möglich bei Alba bleibt, unabhängig von seiner Position, gerne auch in einer anderen Position. Ich bin ein großer Fan von Kontinuität, das bedeutet auch Kontinuität in Bezug auf die Vereinsphilosophie, mögliche Ideen und Entwicklungen. Auch wenn das bedeutet, dass wir ab und zu mal einen Schritt zurück machen müssen, um auf unseren Kurs zu bleiben. Das ist besser, als auf einen anderen Zug aufzuspringen, völlig neue Ideen zu verfolgen und dann wieder zurück, wenn diese auch nicht funktionieren. Alles Weitere werden wir sehen.

Über die letzten Jahre hast du eine gewisse Vereinsphilosophie etabliert und Aito ist ein großer Katalysator für diese Entwicklung. Soll ein Verein die Philosophie vorgeben und der Trainer passt sich an? Oder ist es eher andersrum? 

Das ist bereits geschehen, es ist aber für Außenstehende schwer zu sehen. Wir haben zunächst eine Idee etabliert und der Coach den wir verpflichtet haben, Aito, passt perfekt zu dieser Philosophie. Das hat wiederum unsere Entwicklung beschleunigt, er holt das Maximum heraus. Ich bin also von einer “Vereinsphilosophie” überzeugt, der Trainer spielt aber natürlich auch eine große Rolle. Der Trainer wird immer einen Spielraum haben, den er nutzen kann, solange er sich innerhalb der Vereinsidee bewegt. Kein Coach ist gleich, er kann und muss seine eigenen Ideen einbringen, aber es muss im Rahmen der Vereinsphilosophie sein.

Falls Aito irgendwann aufhört, wird der Nachfolger zu uns passen. Ich glaube auch, dass Vereine den Trainer dabei unterstützen können, eine Identität zu entwickeln. Es gibt viele Trainer die bereit sind, junge Spieler einzusetzen. Wenn der Verein sich aber nicht schützend davorstellt und ab und zu auch mal den Einsatz der Talente fordert, können die Trainer es nicht schaffen. 

Letzte Frage: In einem unserer ersten Interviews hast du gesagt, dass du nach deinen ersten drei Jahren bei Alba dem Verein eine Identität vermittelt haben möchtest. Nun hast du deinen Vertrag um weitere drei Jahre verlängert. In welche Richtung geht der nächste Schritt? Wo siehst du Alba im Jahr 2022?

Wir müssen uns als Verein weiterentwickeln, weil die Welt nicht stillsteht und sich ändert. Wir haben noch viele Ideen und Projekte, die wir umsetzen möchten. Ich hoffe, dass wir wettbewerbsfähig bleiben und dabei gleichzeitig in der Gesellschaft aktiv bleiben und unseren Weg gehen. Im sportlichen Bereich sollten wir den jungen Spielern weiterhin Möglichkeiten auf höchstem Niveau geben und gleichzeitig vorne mitspielen. Das gilt sowohl für Männer, als auch für Frauen. Das ist nämlich eine weitere große Herausforderung, der weibliche Bereich soll erheblich wachsen, in dieser Saison werden wir mit Erika Livermore zum ersten Mal eine amerikanische Profispielerin haben und über kurz oder lang wollen wir auch im weiblichen Bereich in der ersten Liga spielen. Das finde ich spannend, der Bereich Mädchen- und Frauenbasketball bietet eine Menge Potenzial. Ich denke, das unser Engagement gut für Deutschland und auch für die Frauen ist. Sie haben nämlich immer noch weniger Möglichkeiten. 

 Himar, vielen Dank für deine Zeit!

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