„Das Finale 2009 möchte ich vergessen“- Ettore Messina im Interview

Die San Antonio Spurs sind zu Gast in Berlin, um am kommenden Mittwoch (20:00 Uhr) im Rahmen der NBA Global Games ein Freundschaftsspiel gegen Alba Berlin auszuüben. Der erste Trainingstag des amtierenden NBA-Champions bedeutete auch einen erheblichen Medienrummel: am Spielfeldrand drängten sich Journalisten und Fotografen, um die Stars wie Tony Parker oder Tim Duncan bildeten sich ganze Menschentrauben. Weniger beachtet wurden dagegen die Coaches. Dabei haben die Texaner seit diesem Sommer aus europäischer Sicht einen großen Namen an Land gezogen: Ettore Messina hat in Europa national und international so ziemlich alles gewonnen und gilt als einer der größten Trainer des Kontinents. Der Italiener steht nun Greg Popovic als Co-Trainer zur Seite und nahm sich ein paar Minuten Zeit unsere Fragen zu beantworten.

Ettore Messina, San Antonio Spurs
Ettore Messina, San Antonio Spurs

Herr Messina, sie sind in der Vergangenheit schon öfters zu Gast in Berlin gewesen, zuletzt mit ZSKA Moskau. Welche Erinnerungen verbinden sie mit der Stadt?
(schmunzelt) Ich war wirklich schon sehr oft in Berlin, bei den ersten Besuchen war ich noch Assistenz-Trainer der italienischen Nationalmannschaft. Das war vor gut 20 Jahren. Später haben wir in Berlin ja auch immer beim Supercup mitgespielt. Dann haben wir auch noch in der Schmeling-Halle mit Kinder (Bologna) gespielt. Ich habe da sehr viele schöne Erinnerungen, Berlin ist eine sehr schöne Stadt. Alba hat mich als Verein immer überrascht, weil sie sehr professionell organisiert sind und viele Fans haben.

Es gibt also vielleicht nicht einen bestimmten Moment an denen sie denken. Da gab es ja z.B. das verlorene Euroleague-Finale gegen Panathinaikos…

(lacht) Das ist eine Partie, die ich lieber vergessen möchte!

Das kann ich mir vorstellen. Es war aber ein großartiges Finale.

Sicherlich. Es war auch ein wunderschönes Final-Four: Vier große Namen, mit uns (ZSKA), Panathinaikos, Olympiakos und Barcelona und viele gute, spannenden Spiele.

In der Vergangenheit haben Sie für große Vereine gearbeitet, nicht nur hier in Europa, sondern auch in den USA (Los Angeles Lakers). Welche Unterschiede bemerken sie zwischen den Kontinenten?

Ich bin erst seit eineinhalb Monaten hier bei den Spurs. Auch wenn es sich merkwürdig anhört: der größte Unterschied ist eine Gemeinsamkeit. Wie in allen großen europäischen Vereinen gibt es hier gute Disziplin. Die Spieler müssen nicht gezwungen werden etwas zu tun, sie haben selber ein Gespür dafür, was sie tun müssen um gemeinsam erfolgreich zu sein. Ich glaube das ist Greg Popovich und der ganzen Organisation zu verdanken: Es wurde eine Kultur geschaffen, die es ermöglicht, den Motor am Laufen zu halten, auch wenn es Veränderungen gibt. Es gibt hier große Spieler wie Duncan, Parker und Ginobili, die diese Philosophie des Vereins voranbringen. Das war auch in den großen europäischen Mannschaften so, z.B. bei ZSKA. Da erinnere ich mich an Spieler wie Papaloukas, Langdon und Holden. Oder bei Panathinaikos mit Diamantidis, Olympiakos mit Spanoulis und Barcelona mit Navarro. Das sind alles Spieler die es in sich haben und wissen, was es bedeutet Sport zu machen.

Es ist also auch eine Charakterfrage der Spieler. Wie schafft man es solche Spieler zu finden? Spieler die sich in ihrer Rolle einfügen?

Man braucht Glück und die Fähigkeit die Menschen zu erkennen, bevor man den Spieler sieht.

Kommen wir zurück zur Zusammenarbeit mit Greg Popovich. Sie waren zuletzt eigentlich immer Headcoach, jetzt sind sie unter ihm Assistant-Coach. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Sie funktioniert weil es noch viel zu lernen gibt. Sie funktioniert auch, weil er ein Trainer ist der alle, sowohl Spieler als auch Assistenz-Trainer, wohlfühlen lässt. Er kümmert sich sehr um seine Kollegen. Greg ist ein sehr besonderer Mensch.

Die San Antonio Spurs werden immer sehr mit einem internationalen Spielstil in Verbindung gebracht. Können sie uns diesen Stil erklären und was ihn so besonders macht?

Die Mannschaft legt viel Wert darauf, den Ball und die Spieler in Bewegung zu halten. Außer mit vielleicht Kawhi Leonard haben wir keinen explosiven, athletischen Spieler. Deswegen muss immer viel Bewegung im Spiel sein, es werden keine Isolationen gespielt. Es wird viel ohne Ball gecuttet, viel Pick and Roll und Handoffs gespielt. Alle 5 Spieler auf dem Feld sind im Angriff involviert. Außerdem steht oft ein zweiter großer Spieler auf dem Feld, der gut aus der Distanz werfen kann. Das kann z.B. Boris Diaw oder Matt Bonner sein. Das ähnelt sehr dem Stil der meisten europäischen Vereine.

Letzte Frage: Sie hatten die Nationalmannschaft erwähnt. In den letzten zehn Jahren dachte man immer, der internationale Basketball würde den amerikanischen auf- und vielleicht überholen. Die letzte Weltmeisterschaft hat jedoch etwas ganz anderes gezeigt. Wie nehmen sie die Entwicklung wahr?

Ich denke das liegt vorrangig daran, dass große Basketballnationen wie Spanien, Russland oder Litauen in den letzten 6, 7 Jahren einen Stamm an Spielern hatten, die nun mittlerweile deutlich älter geworden sind. Diese Mannschaften müssen sich also verjüngen und erneuern und tun das bereits, wie z.B. Spanien, Litauen, Griechenland oder Italien. Die Amerikaner dagegen durchlaufen ständige Änderungen. Man muss nur überlegen, dass sie im Vergleich zu den letzten Olympischen Spielen Leute wie Kobe Bryant oder Kevin Durant verloren haben. Sie können auf eine wesentliche größere Basis zurückgreifen; das hat ihnen ermöglicht, wieder den Abstand zu vergrößern. Man muss aber auch sehen, ob die anderen Nationen diesen Generationenwechsel meistern können. Nehmen wir als Beispiel Argentinien: sie hatten eine fantastische Generation mit Ginobili, Scola etc. Was jetzt nachkommt, ist bei weitem nicht so stark einzuschätzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bitteschön und euch noch gute Arbeit!

hier geht es noch zu Fotos von den NBA-Stars und dem Medienrummel drumherum.

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