battle: Sack Reis oder Gold? – Für und Wider der Chinareise

In China ist ein Sack Reis umgefallen“ sagt man sinnbildlich, um auszudrücken, wie bedeutungslos und irrelevant man eine Meldung oder ein Ereignis findet. Ob während des 5-tägigen Kurztrips von Alba Berlin nach Chengdu tatsächlich ein Jutebehältnis mit dem asiatischen Grundnahrungsmittel umgekippt ist, wissen wir natürlich nicht, aber auf jeden Fall war diese Reise nicht ohne Bedeutung und hatte Relevanz in sportlicher und vermutlich wirtschaftlicher Hinsicht. Über den Sinn oder Unsinn dieser Reise kann man geteilter Meinung sein, wir sind es auch und wollen hier die gegensätzlichen Positionen gegenüber stellen. 

Sack zugemacht

Rumpfteam mit Sieg in China; Foto: (c) Alba Berlin
Rumpfteam mit Sieg in China; Foto: (c) Alba Berlin

Vor den Streitpunkten jedoch noch kurz etwas zum Sportlichen. Alba Berlin hat das Testspiel gegen den chinesischen Meister Sichuan Blue Whales nach 4 x 12 Minuten mit 123 zu 112. Mit nur zwei ausländischen Profis (Peyton Siva und Dragan Milosavljevic) gereist, lag bei diesem Test viel Verantwortung auf den Schultern der deutschen Spieler aus der ersten und zweiten Reihe, die diese nutzen konnten. Ebenfalls Verantwortung musste Thomas Päch übernehmen, der aufgrund der Abwesenheit von Caki und Gezer als Headcoach fungierte. Bei der offensiv geprägten Partie konnte jeder der 11 eingesetzten Spieler punkten und Alba dank einer guten Dreierquote letztlich gewinnen. Dragan Milosavljevic (23), Ismet Akpinar (21), Jonathan Malu (15), Bogdan Radosavljevic (12), Jannes Hundt (12), Peyton Siva (11) und Kevin Wohlrath (11) konnten zweistellig punkten, aber auch Tim Schneider (8), Robert Glöckner (4), Ferdinand Zylka (3) und Lukas Herwig (3) konnten sich auf dem Scoreboard verewigen.

Sack Reis

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Kann man dieser Reise irgendetwas Positives abgewinnen? Eher nicht und wenn, könnte nichts die offensichtlichen Nachteile überdecken. Alba befindet sich im Umbruch: neuer Trainer, viele neue Leistungsträger. Eine Kombination, die vor allem eines braucht: eine gute, ruhige Saisonvorbereitung. Davon ist die Mannschaft derzeit meilenweit entfernt. Miller fällt für mehrere Monate aus, Ashley erscheint nicht zum Training, drei Nationalspieler fehlen. Und jetzt kommt China. Ein Wahnsinn, den man sich mal vor Augen führen muss; Hinflug nach Chengdu am Mittwoch, ein Showspiel gegen den chinesischen Meister, Rückflug am Sonntag. Mit Reisestrapazen und Zeitumstellung geht da schnell mal eine Woche Vorbereitung verloren. Obendrauf  fehlten noch der Headcoach, sein Assistent, sowie zwei Leistungsträger.

Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass dieser Trip sportlich keinen Mehrwert gebracht hat. Kultureller Austausch und die neue Sponsoring-Möglichkeiten hören sich zwar nett an, doch davon hat die jetzige Mannschaft wenig. Diese Reise ist eine Belastung gewesen, ein Investment mit höchst fragwürdigem Ertrag. Das letzte Mal reiste Alba übrigens unter sehr ähnlichen Bedingungen nach China, damals jedoch für zwei Wochen und mehreren Testspielen. Damals gab es mit Gordon Herbert auch einen neuen Trainer, neue Leistungsträger und mehrere abwesende Nationalspieler. Die anschließende Saison verlief dann auch alles andere als gut. Nicht ausschließlich, aber vielleicht auch wegen der China-Reise. Es sollte dem Verein eine Warnung sein.

Sack Gold

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Die negativen Aspekte der weiten und kurzen Reise halb um die Welt sind valide – siehe oben – und liegen klar auf der Hand, rein unter kurzfristigen sportlichen Aspekten kann es dazu eigentlich keine zwei Meinungen geben. Aber gibt es auch positive Punkte bei dieser T(ort)our? Dafür muss man den Blick vom Kurzfristigen weg und zu mittelfristigen und strategischen Aspekten hin wenden. Alba Berlin als Verein besteht nicht nur aus 12 Profis und 4 Trainern, sondern ist eine Organisation mit über 100 Beschäftigten und weit über 1.000 Spielern, die betreut werden müssen. Das kostet Geld. Geld ist auch bei Alba die Stellgröße, nach der sich alles richtet. Geld, dass sich in gewünschtem  Maße weder in Berlin wegen der großen Konkurrenz innerhalb der Stadt, noch landesweit wegen der fehlenden überregionalen Bedeutung von Basketball generieren lässt. Also muss man andere Wege gehen.

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Mission Basketball Botschafter; Foto: (c) Alba Berlin

Diese Reise hat sicher auch einen wirtschaftlichen Hintergrund, vielleicht sogar vorrangig. Dabei befindet sich Alba Berlin in guter – bzw. je nach Sichtweise schlechter – Gesellschaft. Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft, Bayern München, Borussia Dortmund oder auch diverse NBA-Teams haben schon Reisen nach Asien unternommen, die einen geringen oder zweifelhaften sportlichen Wert hatten. Es geht um Vermarktung und Marketing auf einem Markt mit enormer Wirtschaftskraft, der im Gegensatz zu Europa oder Amerika immer noch boomt und kräftige Zuwachsraten aufweist. Ein Markt mit über 200 Millionen Fussballfans, auf dem die englische Fussball-Liga schon 2009 300 Millionen Euro Umsatz gemacht hatte (zum Vergleich: DFL 2009 18 Mio. Euro). In den letzten 7 Jahren sind die Umsätze noch deutlich gestiegen. Allein Borussia Dortmund – die übrigens im Rahmen der Kooperation auf die Erfahrungen von Alba Berlin in China zurück greifen – erwartet sich vom Engagement in Asien zukünftig einen Geldsegen in Höhe von 30 Millionen Euro (China-Reise bringt BVB massiven Geldregen; sport.de) . Bei Alba Berlin sind die Zahlen natürlich auf einem anderen level, aber die grundsätzlichen Erkenntnisse zum Markt und Potenzial gelten auch, wenn man das Komma um zwei Stellen verschiebt. Ganz besonders für ein Land wie China, in dem über 400 Millionen Menschen Basketball spielen. Dass sich dieses riesige Potenzial bis jetzt noch in erster Linie für die NBA interessiert, liegt auch daran, dass europäische Topteams dort nicht präsent sind, Alba ein Vorreiter ist, sich auch einen gewissen Vorsprung erarbeitet. Dass es dem Hauptsponsor, der sich selbst stark auf dem chinesischen Markt engagiert, sehr recht ist, wenn sein Name dort präsentiert wird, ist sicher auch ein Teil der Wahrheit, aber wenn es dem Hauptsponsor gut geht, wirkt sich das indirekt auch positiv auf das Basketball-Team aus. Die Zusammenstellung der Reisegruppe gibt auch einen Fingerzeig darauf, worum es dabei geht. Geschäftsführer Marco Baldi und Marketing-Chef Ansgar Niggemann haben weder mitgespielt noch Muskeln massiert, trotzdem waren die nicht aus daffke bei der Tour dabei …

Sport und Wirtschaft verknüpft; Foto: (c) Alba Berlin
Sport und Wirtschaft verknüpft; Foto: (c) Alba Berlin

Das Team wird sicher nicht sofort mit Übergepäck – einem Sack voll Gold – aus China zurück kehren, das wirkt langfristig. Das China-Programm von Alba Berlin ist langfristig angelegt, eben gerade weil man Vorreiter in Sachen europäischer Basketball in China ist und unbearbeiteten Boden beackern muss. Das Programm läuft seit über 5 Jahren mit diversen Aktivitäten, aber wirklich große Aufmerksamkeit erreicht man nicht dadurch, dass man dort Trainer hin schickt oder chinesische Kinder einlädt – das ist Basisarbeit -, sondern dafür muss eben mal das Profi-Team präsent sein.

Ja, die Vorbereitung läuft alles andere als optimal, aber die Gründe dafür liegen sicherlich nicht vorrangig an der Reise nach China. Auch ohne diese würden Ashley, Miller, Giffey, Vargas und Kikanovic fehlen. Auch in China kann man grundsätzlich trainieren. So eine gemeinsame Reise kann auch das Teamgefühl stärken, wobei das natürlich durch die fehlenden Spieler und Trainer leidet. Die Visaprobleme und Verletzungen konnten aber bei der Planung dieser Tour nicht voraus gesehen werden.

Wenn die 5 Tage, die jetzt in der Vorbereitung fehlen, in den kommenden Jahren einen kompletten Spieler finanzieren, ist es gut investierte Zeit.

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3 Gedanken zu „battle: Sack Reis oder Gold? – Für und Wider der Chinareise“

  1. Ich habe für „die Nachteile überwiegen“, da man solch einen Trip wohl besser zu einem Zeitpunkt hätte wählen sollen, indem der Kern des Teams sich bereits kennt und/oder schon eine Saison zusammen gespielt hat. Letztes Jahr wäre es in meinen Augen stimmiger gewesen.

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