Attraktive Gegner für Alba Berlin im Eurocup 2017/18

 

Es gibt Tage, da lief es schon mal schlechter für Alba Berlin, als am 14. Juni 2017. Nach der viel beachteten Verpflichtung eines der erfolgreichsten und renommiertesten Trainers im europäischen Basketball, Alejandro „Aíto“ Garcia Reneses – zu diesem Thema hier unser ausführliches Interview mit Sportdirektor Himar Ojeda über den neuen Coach – folgte am Nachmittag gleich noch eine weitere sehr positive Nachricht: Alba Berlin wird in der Saison 2017/18 eines von 24 Teams sein, die am nach der Euroleague zweithöchsten europäischen Wettbewerb, dem Eurocup, teilnehmen.

In mehrerer Hinsicht ist das eine gute Nachricht. Zum Einen macht die Teilnahme am Eurocup den Berliner Traditionsverein attraktiv für Spieler, die sich auf der europäischen Bühne zeigen wollen. Zum anderen bietet es den Berliner Fans einen hochkarätig besetzten Wettbewerb, der starke und namhafte Gegner in die deutsche Hauptstadt bringt. Und das mit einer bei nur 24 Teilnehmern sehr hohen qualitativen Dichte.

Diese 24 Teams kommen aus 12 verschiedenen Ländern. Aus Deutschland werden neben Alba Berlin noch der FC Bayern Basketball und ratiopharm Ulm die BBL vertreten. Zudem sind noch Teams aus Frankreich (3), der Türkei (3), Russland (3), Italien (3), Litauen (2), Spanien (2), Andorra, Kroatien, Serbien, Montenegro und Israel (je 1) teilnehmen.

Die 24 Teams bringen die Erfahrung von über 2.300 Partien (exakt 2325) aus Euroleague und Eurocup / ULEB-Cup mit. 923 Partien entfallen auf die Euroleague, 1402 auf den Eurocup. Die meiste Erfahrung aller Teilnehmer bringt Alba Berlin mit 224 Partien mit, knapp vor Partizan Belgrad (222) und Lietuvos Rytas Vilnius (211). Auf die meisten Euroleague-Auftritte kommt Partizan Belgrad (212) mit deutlichem Vorsprung vor Alba Berlin (106) und Galatasaray Istanbul (97). Die größte Erfahrung im Eurocup / ULEB-Cup hat Unics Kasan (151) gesammelt und liegt damit vor Hapoel Jerusalem (147) und BC Gran Canaria (142); Alba Berlin (118) kommt hinter Lietuvos Rytas Vilnius (125) auf den fünften Platz.

Mit Auxilum Torino, Morabanc Andorra und Tofas Bursa gibt es drei Newcomer auf Euroleague bzw. Eurocup Level in der kommenden Saison. 

 

Aus Frankreich werden die beiden Halbfinalisten Paris Levallois und ASVEL Lyon Villeurbanne sowie CSP Limoges die Vertreter sein. Paris Levallois wird zum dritten Mal nach 2013-14 und 2014-15 im Eurocup an den Start gehen, beim zweiten Auftritt kamen das Team aus der französischen Hauptstadt bis ins Viertelfinale. ASVEL Villeurbanne aus der Nähe von Lyon war früher ein Power House des europäischen Basketballs. Der 19-fache französische Meister (zuletzt 2016) war Anfang der 2000er regelmäßiger Gast in der Euroleague. Seit dem Einstieg von NBA Star Tony Parker als Präsident des Vereins wird der frühere Glanz wieder aufpoliert. CSP Limoges, das Team von Ex-Albatros DaShaun Wood und des ehemaligen Oldenburgers Klemen Prepelic, traf in der Saison 2014-15 in der Euroleague auf Alba Berlin. Die Berliner dürften gute Erinnerungen daran haben, durch den 71-65 Auswärtssieg sicherten sie die Qualifikation für die Top16.

Aus der Türkei nehmen ebenfalls drei Teams teil. Halbfinalist Darussafaka Istanbul, der Club von Albas ehemaligem Sportdirektor Mithat Demirel, startete in der abgelaufenen Saison noch mit viel Geld und Bambergs ehemaligem Pointguard Brad Wanamaker in der Euroleague und schaffte es dort bis ins Viertelfinale, wo man an Real Madrid 1-3 scheiterte. In der türkischen Meisterschaft war man dem frischgebackenen Euroleague-Sieger Fenerbahce Istanbul unterlegen. Ein bekanntes Gesicht im Eurocup ist Galataray Istanbul, der Gewinner dieses Wettbewerbs in der Saion 2015-16 und dadurch ebenfalls Euroleague-Teilnehmer 2016-17. Gemischte Gefühle dürfte man in Berlin haben, wenn man an dieses Team denkt. Zwar gab es in der Euroleague 2014-15 zwei Siege gegen das Team aus der türkischen Hauptstadt, aber auch einen Skandal durch Ausschreitungen der Galatasaray-Fans. Tofas Bursa kehrt auf die große europäische Bühne zurück. Bis zur Jahrtausendwende spielte das Team eine gute Rolle im Korac Cup (Vize 1997) und nahm sogar an der Euroleague teil, war dann aufgrund finanzieller Probleme aber länger weg vom Fenster. In dieser Saison schafften sie es als Aufsteiger gleich wieder in die Playoffs, scheiterten dort aber ebenfalls an Fenerbahce Istanbul. 

Ein Wiedersehen könnte es für die Berliner auch mit ihrem ehemaligen Headcoach Sasa Obradovic geben, der den leistungs- und finanzstarken russischen Club Lokomotiv Kuban Krasnodar (Euroleague-Dritter 2015/16, Eurocup-Halbfinalist 2016/17) trainiert. Weiterhin wird Russland durch Zenit St. Petersburg vertreten, die vom ehemaligen Berliner Vasily Karassev trainiert werden. Im Eurocup erreichte das Team das Viertelfinale, wo sie gegen Kuban ausschieden,  in der trans-nationalen VTB League das Halbfinale. Unics Kasan, das Team von Marko Banic, war Eurocupsieger 2011 und letztjähriger Teilnehmer an der Euroleague. Im Eurocup erreichten sie 2015 das Halbfinale.

Aus Italien können sich die Alba-Fans zunächst auf den diesjährigen Finalisten (Finalspiele laufen noch) Dolomiti Energia Trento freuen, die bei ihrem ersten und bisher einzigen Auftritt im Eurocup 2015/16 gleich das Halbfinale erreichten. Darüber hinaus könnte es ein Wiedersehen mit Grissin Bon Reggio Emilia geben, gegen die Alba vor zwei Jahren im Eurocup ein Mal gewann und ein Mal verlor. In der Saison 2013-14 gewannen sie den dritten europäischen Wettbewerb EuroChallenge (inwischen eingestellt). Der dritte italienische Teilnehmer Auxilium Pallacanestro Torino ist ein Newcomer im Eurocup.

Mit dem litauischen Vertreter Lietuvos Rytas Vilnius hat Alba Berlin in der abgelaufenen Saison gute Erfahrungen gemacht, der dramatische Auswärtssieg gegen den 5-fachen litauischen Meister und zweifachen Eurocupsieger sicherte das Weiterkommen in die Top16. Ebenfalls aus Litauen wieder dabei ist das Team Panevezys Lietkabelis, das in der vergangen Saison u.a. dem deutschen Vertreter ratiopharm Ulm das Nachsehen gab und in der zweiten Gruppenphase des Eurocups vor den Schwaben landete. In der heimischen Liga konnte Lietkabelis den Konkurrenten Vilnius im Halbfinale eliminieren.

Gegen einen der Teilnehmer aus Spanien ist Alba Berlin auch in der letztjährigen Eurocup-Saison angetreten. Dabei gab es gegen die Bilbao Baskets einen überraschenden Auswärtssieg, aber auch eine Heimniederlage. 7 Jahre zuvor waren die Basken schon einmal den Berlinern unterlegen, 2010 gelang Alba gegen Bilbao mit dem Einzug ins Finale des Eurocups einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Gleiches gelang Bilbao 2013. CB Gran Canaria – der Ex-Club von Alba Berlins neuem Coach Aíto Garcia Reneses – gehört sicher zu einem der Favoriten auf den Gewinn des Eurocups, 2014/15 war man als Finalist bereits kurz davor.

MoraBanc Andorra spielt zwar in der spanischen Liga ACB, vertritt aber den Zwergstaat aus den Pyrenäen im Eurocup. Das Team aus dem Steuerparadies nördlich von Barcelona erreichte in dieser Saison zum ersten Mal die Playoffs in der ACB und konnte dem Hauptrunden-Ersten Real Madrid dort sogar einen Sieg abringen. In der kommenden Saison tritt der Verein zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte auf der europäischen Bühne auf.

Aus der Adria Liga ABA nehmen der Finalist (Cedevita Zagreb) und zwei Halbfinalisten (Partizan Belgrad und Buducnost Podgorica) am Eurocup 2016/17 teil, der Meister Roter Stern Belgrad spielt in der Euroleague.

Aus Kroatien wird der Meister Cedevita Zagreb vertreten sein. Der Club von Alba-Legende Matej Mamic traf in den vergangenen Jahren schon häufig auf die Berliner, letztmalig in den Top16 des Eurocups des vergangenen Jahres, wo beide Teams jeweils einen Sieg holten, beide jedoch hinter dem späteren Sieger (Malaga) und Vize (Valencia) einkamen.

Das serbische Powerhouse Partizan Belgrad, musste in dieser Saison sowohl in der Adria League als auch in der serbischen Liga bereits im Halbfinale die Segel streichen, in der kommenden Saison will der dreifache Koraccupsieger und ehemalige Teilnehmer am Euroleague Top4 wieder angreifen.

Abgerundet wird das Teilnehmerfeld vom Balkan durch den Serienmeister – 10 Mal bei 11 Spielzeiten seit der Unabhängigkeit – aus Montenegro und langjährigen Dauergast in Eurocup und Euroleague Buducnost Podgorica.

Abgerundet wird das attraktive Teilnehmerfeld des kommenden Eurocups durch den israelischen Meister Hapoel Jerusalem. Das Team der Ex-Berliner Bar Timor und Brian Randle, die beide in der Hauptstadt nicht richtig glücklich wurden, sowie Ex-NBA-Star Amare Stoudamire stieß in der vergangenen Eurocup-Saison bis ins Halbfinale vor. Auf Albas Weg ins Finale des Eurocups 2009-10 haben sie das israelische Team im Viertelfinale eliminiert.

Wie auch immer die Auslosung der Gruppen verlaufen wird – die Chance auf einen Gegner aus Frankreich, der Türkei, Italien, Russland, der spanischen ACB und der Adria League ist recht groß – es wird eine starke Gruppe mit attraktiven Gegnern auf die Berliner zukommen. 

Foto / Grafik: Alba Berlin
Foto / Grafik: Alba Berlin

 

 

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