Ali Traoré

Ali Traoré – großer Spieler, großer Name … ABER?

Ali Traoré
Ali Traoré

ALBA Berlin hat den französischen Nationalcenter Ali Traoré (27, 207 cm, 110 kg) verpflichtet. Eine Verpflichtung, die vor ein, zwei Jahren noch für großes Aufsehen, vielleicht sogar Jubel, gesorgt hätte, aber vor ein, zwei Jahren finanziell auch völlig ausser Reichwerte gewesen wäre. Aktuell ist die Verpflichtung durchaus nicht ohne Risiko ist.

Mit knapp 28 Jahren bringt Ali Traoré, geboren in Abidjan, Elfenbeinküste, jedoch mit einem französischem Pass ausgestattet, schon über 10 Jahre Erfahrung im professionellen Basketball mit; hauptsächlich in der französischen Liga, aber auch in der Euroleague, im Eurocup, in der russischen und der italienischen Liga.  Er ist ein offensiv und phyisch starker Spieler mit großer Spannweite (wingspan 7′ 4″ = 2,24 m; zum Vergleich: Deon Thompson 7’2″ = 2,18 m / Kyle Hines 7′ 1″ = 2,16 m / John Bryant 7′ 4.75″ = 2,25 m), Reichhöhe (2,76 m; zum Vergleich: Deon Thompson 2,72 m / Kyle Hines 2,60 m) und gutem Sprungvermögen. Für einen großen Spieler ist er schnell auf den Beinen und sehr beweglich. Seine shooting range reicht bis ca. 4 m, am wohlsten fühlt er sich jedoch direkt unter dem Korb, wo er seine Schnelligkeit verbunden mit der guten Physis ausspielt. Ali Traoré verfügt über einen sicheren hook shot, den er sowohl mit der linken als auch der rechten Hand spielen kann. Damit erzielt er seit Jahren mindestens 10 Punkte im Schnitt pro Spiel und trifft dabei mindestens jeden zweiten Wurf. In der letzten Saison erzielte er für Lokomotiv Kuban 15 Punkte und 7 Rebounds in 26 Minuten bei einer Quote von gut 60 % im Eurocup. Im Last16 erzielte er – als Eurocup Last16 Topscorer – sogar 16,5 Punkte bei 67 % Trefferquote. In der Hauptrunde gegen Frankfurt erzielte er 17 /10 bzw. 18 / 8. In den Eurocup Last 16 kreuzten sich auch die Wege von Ali Traoré und Alba Berlin. In Berlin erzielte er 9 Punkte (80% 2er-Quote) und 2 Rebounds, beim Rückspiel in Krasnodar ebenfalls 9 Punkte (57 % 2er-Quote) und 5 Rebounds.

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Traoré wurde zwei Mal französischer Meister, ein Mal französischer Pokalsieger, mehrmals  französischer Allstar und MVP der französischen Liga 2010. Er war Mitglied aller französischen Nationalmannschaften von U16, U18, U20 bis Herren und nahm mit diesen Teams an diversen Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olypmpischen Spielen teil. Gegen das US „Dream Team“ erzielte er von der Bank bei den Olympischen Spielen in London 2012 in in 13 Minuten 12 Punkte und 5 Rebounds.

Schwächen?  Weiter als 4 m darf Traoré nicht vom Korb weg stehen beim Wurf, sonst trifft er wirklich nichts mehr. Für seine körperlichen Voraussetzungen müsste er eigentlich ein besserer Rebounder und shot blocker sein, da fehlt es etwas an Antizipation. Traoré gilt als nur durchschnittlicher Verteidiger und foulanfällig. Seine Freiwurfquote ist selbst für Center schlecht. In guten Jahren hat er mal 75 %, in schlechten war er auch schon mal auf Shaquille O’Neal Niveau (unter 60%).

Is there a snag in it? Ja – man könnte fast sagen natürlich – die Verpflichtung von Traoré hat einen Haken, ist nicht ohne Risiko. Im Normalfall ist ein Spieler auf diesem level völlig ausser Reichweite für ein Team wie Alba Berlin – wenn er fit und in Form ist, schon gar nicht als ein Spieler, der „nur“ dazu dient, den Kader tiefer aufzustellen. Aber Traoré hat in der Saison 2012/13 noch nicht aktiv Basketball gespielt, mal abgesehen von zwei Spielen für Kuban Krasnodar. Aufgrund einer Knieverletzung, deren Heilungsverlauf nicht absehbar war, wurde er dort entlassen. Obwohl man sportlich aufgrund der Vorsaison, wo er einer der absoluten Leistungsträger war, sehr zufrieden war, entschied man sich zur Trennung. Ende Dezember wurde er dann von Roter Stern Belgrad verpflichtet. Dort wurde der Vertrag jedoch Anfang Januar wieder aufgelöst, ohne daß Traoré ein einziges Spiel für Roter Stern Belgrad gemacht hatte. Begründet wurde das so:

„Traore hatte eine lange Pause, in dieser Saison hat er nur zwei Spiele gespielt. Um eine optimale Wettbewerbsform zu erreichen würde es mindestens einen Monat dauern. Aufgrund unseres sehr engen Zeitplans und unserer hohen Ambitionen, sind wir nicht in der Lage, so lange zu warten. Somit konnte eine Zusammenarbeit leider nicht realisiert werden“, so Red Star Telecom Direktor Davor Ristović und fügte hinzu: Wir bedauern sehr, dass Traore nicht für Roter Stern Belgrad spielen wird. Über seine Fähigkeiten besteht kein Zweifel, allein schon, da er Mitglied der Nationalmannschaft von Frankreich ist. Darüber hinaus konnten wir uns in den wenigen Tagen davon überzeugen, dass er ein wirklich großer Mann und ein sehr guter Kerl ist. Hoffentlich werden sich unsere Wege in Zukunft wieder kreuzen. Wir wünschen ihm viel Glück für seine zukünftige Karriere „, erklärte Ristović auf der offiziellen Website  von Roter Stern Belgrad.

Fazit: Die Verpflichtung von Ali Traoré könnte sowohl für Alba Berlin als auch den Spieler im besten Fall eine win-win-Situation sein. Traoré kann nach langer Pause wieder unter Wettkampfbedingungen Basketball spielen; Alba bekommt zu einem relativ günstigen Preis einen Spieler, der das Potenzial zum Spitzenspieler der Liga hat (wenn auch nicht sofort). Diese Rechnung kann aufgehen, so wie sie für Frankfurt seinerzeit mit Wood, für Bamberg mit Nachbar und Goldsberry aufgegangen ist (auch wenn diese Risikoverpflichtungen natürlich jeweils zu Saisonbeginn waren). Aber es kann natürlich auch schief gehen, Traoré nicht rechtzeitig in Form kommen, eine so späte Integration ins bestehende Teamgefüge mißlingen.  Grundsätzlich gilt: Wer zu diesem Zeitpunkt noch zu bekommen ist, hat einen mehr oder minder kleinen / großen Makel, so eine Verpflichtung ist nie ohne Risiko.
Traoré macht den Alba-Kader tiefer, ermöglicht es – Form vorausgesetzt – auch mal einem Spieler wie Thompson, der ab und an schon mal etwas überspielt wirkt(e), auszusetzen. Thompson und Traoré sind sich gar nicht so unähnlich. Traoré ist aber weder ein Ersatz für Peavy noch für Randle, diesen Spielertypus gibt der Markt aktuell wohl nicht (für Alba bezahlbar) her. Mit der Verpflichtung von Ali Traoré geht Alba Berlin eine Wette auf die Zukunft ein. Hoffen wir, daß diese aufgeht …

Ein Gedanke zu „Ali Traoré – großer Spieler, großer Name … ABER?“

  1. Schreibt ihr auch was zu Akpinar? durch eurer Sommerabenteuer sind da vllt noch Kanäle offen die zb ein längeres Interview mit ihm und/oder Obradovic(zb) zulassen könnten.

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