Alba-Legende und neuer Headcoach: Sasa Obradovic im Interview

Sasa Obradovic ist ein gefragter Mann. Für die Presse war die Rückkehr des ehemaligen Spielmachers an die Spree gefundenes Fressen. Auch im Trainingslager hatte der neue Cheftrainer von Alba jede Menge Arbeit zu erledigen, schließlich wurde in den ersten Wochen die Basis für die gesamte Saison gelegt. Am Tag des Interviews war zusätzlich noch die Familie des Trainers gerade zu Besuch im Trainingslager. Trotzdem nahm sich der 43-Jährige viel Zeit für unsere Fragen. Auch die Fans sind Obradovic sehr wichtig. Er wünscht in der o2-World mehr Leidenschaft von den Rängen und mehr Aktivität seitens der Fans. Er weiß wie wichtig Atmosphäre für den Spielverlauf sein kann.

Aus beruflichen Gründen sind wir leider erst jetzt dazu gekommen, dass Interview zu transkribieren. Insofern sind einige Aussagen nicht mehr ganz aktuell (das Interview wurde am 20. August geführt).

Sasa Obradovic nahm sich viel Zeit für unsere Fragen

Hallo Sasa, wir freuen uns dich persönlich kennenlernen zu dürfen. Vielen Dank das du dir die Zeit für uns und unsere Fragen nimmst.

Danke für die Einladung (lächelt)

Knapp eine Trainingswoche ist nun vorbei. Bist du zufrieden? Gibt es Probleme? Wie sind deine Eindrücke bisher?

Dass Yassin verletzt ist, ist unser einziges Problem. Er hat gerade wieder angefangen zu trainieren. Er hat noch ein wenig Schwierigkeiten mit seinen Bändern, aber in diesen Tagen wird er Schritt für Schritt wieder an das Team ran geführt. Aber abgesehen davon gibt es keine Probleme. Die Jungs sind sehr motiviert, ich bin sehr zufrieden, wie sie trainieren. Ich würde das lieber zum Ende des Trainingslagers oder der Saison sagen, aber bisher bin ich zufrieden. Für mich als Trainer ist es das wichtigste, dass wir gesunde Spieler haben, damit wir Kontinuität haben bei unserer Arbeit haben.

Also waren alle Spieler fit als sie in das Trainingslager gestartet sind?

Sie waren in gewissem Maße fit. Der Sinn des Trainingslagers ist es ja die Spieler vorzubereiten und sie in einen besseren Zustand zu bringen. Aber kein einziger Spieler ist komplett außer Form angereist, was natürlich auch gut ist.

Wir haben gestern mit Vule darüber gesprochen, was wir dieses Jahr auf dem Spielfeld erwarten können. Er hat gesagt, du magst aggressive Defense und eine kontrollierte Offensive. Was können wir erwarten? Wenn ich aggressive Defense höre, denke ich auch an viele Fastbreaks. Aber was ist mit kontrollierter Offense gemeint?

Ich bin natürlich ein defensiv ausgerichteter Coach. Wir haben natürlich einige individuell talentierte Spieler, aber jeder einzelne muss zu allererst gute Arbeit in der Verteidigung verrichten. Aus einer guten Verteidigung heraus, kann man viele einfache Punkte durch Fastbreaks erzielen. Das ist eine Sache. Wenn dies nicht funktioniert müssen wir eine Spielidee haben. Das bedeutet Kontrolle. Wir müssen wissen, wen wir angreifen, wieso wir ihn angreifen. Wir müssen die Missmatches auf dem Feld erkennen. Wenn man jemand mit Foulproblemen sieht, kann man Vorteile daraus auf den jeweiligen Positionen ziehen. Das bedeutet also, man hat eine Idee davon wen man attackiert. Das ist auch kontrollierte Offense. Für mich bedeutet es nicht, dass z.B. zuerst mindestens fünf Pässe gespielt werden müssen, bevor man den Abschluss sucht. Man muss zuerst eine Idee haben wen man attackiert und weshalb man das tut. Außerdem ist es für mich auch wichtig, dass wir mehrere Scorer haben und die Punkte gleichmäßig verteilt sind. Wir dürfen nicht von einem einzelnen abhängig sein. Wir brauchen viele verschiedene Waffen. Das geht auch durch eine kontrollierte Offensive: jeder Spieler ist involviert, kriegt den Ball und hat ein Gefühl für das Spiel. Das macht es wesentlich schwerer für den Gegner uns zu scouten.

 Die Verpflichtung von Sasa Obradovic hat bei den Fans und auch bei den Medien sehr hohe Erwartungen hervorgerufen. Du bist einer der Alba-Helden aus den guten alten und erfolgreichen Zeiten. Machen dir diese sehr hohen Erwartungen Angst oder ist es dir völlig egal?

In meiner ganzen Karriere hab ich um Titel mitgespielt. Der Erfolgsdruck war immer sehr hoch. Nie hatte ich wenig Druck, was sehr gut ist weil man sich dadurch in wichtigeren Teams und Situationen befindet. Es wird viel von einem erwartet, was auch bedeutet dass man sich schon auf einem bestimmten Level befindet. Für mich als Spieler bzw. als Trainer bedeutet das nur eines: in jedem Moment und an jedem Tag muss man alles geben. Wenn du diesen Job machst und jeden Tag unter diesen harten Bedingungen arbeitest, ist es mir egal, was dabei rauskommt. Weil ich weiß, dass ich alles gegeben habe. Meine Spieler werden alles geben. Wenn dies alles zu einem guten Spiel oder einem Titel führt, kann man stolz darauf sein.

Im Falle einer erfolgreichen Saison muss man damit rechnen, dass  mit Euroleague, Meisterschaft und Pokal bis zu 75 Spiele absolviert werden müssen. In Donezk hast du mit 10, manchmal 11 Spielern rotiert. Wird es eine solche Rotation auch in Berlin geben? Und mit dieser langen und anstrengenden Saison im Blick: planst du noch einen weiteren Spieler zu verpflichten und wenn ja, auf welcher Position würdest du gerne ein Spieler hinzufügen?

Ja. Es ist hart, eine komplette Saison über ein durchgehendes Niveau beizubehalten. Besonders bei den hohen Erwartungen, die ihr ja bereits erwähnt habt. Besonders hart wird er durch die vielen aufeinanderfolgenden Spiele, wenn wir z.B. Freitag und dann Sonntag spielen. Es wird definitiv hart sich daran zu gewöhnen. Ich bereite die Spieler auch auf ihre Rollen vor, ich will niemanden „überspielen“ lassen. Ich brauche eine perfekte Balance bei den Spielzeiten der Spieler. Sie müssen sich an ihre Rolle gewöhnen. Es ist nicht einfach viele Minuten zu spielen und effektiv zu bleiben, wenn deine Spielzeit reduziert wird. Die Frage ist, wie produktiv ein Spieler sein kann, wenn er weniger Spielzeit erhält. Andererseits ist das für mich ein „Muss“. Und so werden wir auch trainieren und die Testspiele absolvieren, sodass wir dies durch die Saison als Spielphilosophie haben um kontinuierlich auf einem Level spielen zu können.

Es gibt den Plan vielleicht einen weiteren ausländischen Spieler hinzuzufügen, da es keine deutschen Spieler auf dem Markt gibt die Alba helfen könnten. Momentan denke ich, dass zwei Center nicht ausreichend sind. Ihr werdet euch sicherlich sehr gut an die vergangene Saison erinnern, als Yassin verletzt war und Torin Probleme hatte. Das war ein Monat. Ein Monat, in dem Alba meines Erachtens den Rhythmus verloren hat…

…der Monat hat uns die Eurocup-Saison gekostet…

Ja. Ich denke für unsere Stabilität während der Saison brauchen wir einen weiteren Center.

Du hast sechs junge Spieler mit nach Kranjska Gora mitgenommen. Wie planst du diese Spieler in die Rotation ein? Tauschst du sie von Spiel zu Spiel aus oder gibt es 2-3 Spieler die immer auf der Bank sein sollen und eventuell ein paar Minuten spielen?

Meine Philosophie ist es, keine feste Starting Five zu haben. Es kann jeder starten. Es ist nur wichtig, dass wir alle verstehen, dass das Spiel 40 Minuten dauert und jeder involviert sein wird. Ich brauche definitiv noch weitere zehn Tage um beurteilen zu können, wer bessere Chancen hat. Ich kann jetzt noch nicht sagen: „Dieser Spieler wird spielen“. Es wird davon abhängen, wer sich zeigt/präsentiert. Verletzungen spielen auch immer eine Rolle, auch wenn ich natürlich hoffe, dass wir keine haben werden. Ich werde diese Zeit nutzen, um zu sehen was sie können und ob sie in der Lage sind, auf einem bestimmten Level zu spielen. Und wenn nicht, müssen wir sehen woran gearbeitet werden muss. Bisher helfen die jungen Spieler im Training, sie stören nicht. Das Training ist derzeit natürlich nicht das höchste Level an Basketball-Ausbildung. Wenn ich ehrlich sein soll: wenn ich die jungen Spieler hier mit den ukrainischen vergleiche, ist es ein großer Unterschied. Die deutschen Spieler sind besser.

In einem Interview mit einer deutschen Basketball-Zeitschrift vor einigen Wochen kam es so rüber, als würdest du DaShaun Wood, bzw. seine Führungsrolle, kritisiert haben…

…was soll ich kritisiert haben? Ich weiß nicht was geschrieben wurde…

 

Grob zusammengefasst würde ich die Kritik so zusammenfassen: Es reicht nicht aus, einfach zu reden. Man muss auch Taten folgen lassen und der Anführer auf dem Feld sein. So hab ich es zumindest interpretiert.

Das war keine Kritik an ihm. Das war ein normales Statement, das für jeden gilt. Es war definitiv keine gezielte Kritik an ihm. Ich sehe in DaShaun eine Menge Potenzial. Wenn wir von Führungsrollen sprechen: Ich will in meinem Team nicht einen Anführer, sondern mehrere. Er wird natürlich eine wichtige Rolle spielen.  So wie er gerade arbeitet, muss er weitermachen. Im vergangenen Jahr hatte Alba als Team keinen Erfolg; es ist nicht nur DaShauns schuld gewesen, sondern von jedem. Inklusive des Trainers. Man sollte nicht immer den Trainer zuerst attackieren. Ich respektiere Gordon Herbert. Vom ersten bis zum letzten Mann, jeder trägt die Schuld an der erfolglosen Saison. Mit DaShaun ist es so: er wird keine Behandlung kriegen wie unter Gordie. Das ist eine Sache. Aber ich glaube wirklich, dass er eine wichtige Rolle spielen wird.

Wir haben uns neulich nach dem Training kurz über die gute Intensität im Training unterhalten. Wenn du Spieler scoutest, spielt Arbeitsmoral für dich persönlich eine sehr große Rolle? Würdest du lieber einen Spieler mit einer sehr guten Arbeitsmoral und einigen spielerischen Schwächen verpflichten, als jemand der stärker ist und sich dafür nicht so reinhängt?

In diesem Sommer hab ich ein Buch eines berühmten Trainers gelesen. (John) Wooden. Er hat genau darüber geschrieben. Es gibt einen Satz, den man oft hört: Trainiere so wie du spielst. Wir werden immer so trainieren, wie wir auch spielen. Intensives Training gibt eine Reflektion des Spiels ab. Ich bin dafür da, dies zu gewährleisten und eine gewisse Philosophie einzubringen. Die Spieler müssen nur folgen. Ja, du hast Recht. Es gilt auch, die richtigen Spieler auszusuchen, die auch tun, was ich vorgebe. Die Spieler müssen mich zur Kenntnis nehmen. Wir haben einen Job den wir gemeinsam erledigen müssen. Harte Zeiten, die kommen werden, durch die wir gemeinsam durch müssen.

Wir haben über Fähigkeiten gesprochen. Welche intellektuellen Fähigkeiten schätzt du an Menschen generell und spezifisch an Spieler? Welche Schwächen akzeptierst du an Personen und Spielern am ehesten?

Mangelndes Talent werde ich an einem harten Arbeiter am ehesten übersehen. Wenn du mehrere gute Arbeiter hast, kommt immer etwas Positives raus. Die talentiertesten Spieler haben oft keine gute Arbeitsmoral, finde ich. Wir versuchen auch, danach unsere Spieler auszuwählen. Was die Intelligenz betrifft: es ist auch ein Talent, wie schnell ein Spieler Informationen aufnehmen kann und die Dinge dann auch übernimmt. Wir haben ein Team und Spieler mit gutem Basketball-IQ. Natürlich braucht alles Wiederholung: es gibt verschiedene Methoden, Trainingseinheiten, Systeme. Man kann nicht erwarten, dass alles einfach funktioniert. Wenn Spieler müde sind, machen sie Fehler, was normal ist. Wir arbeiten diesbezüglich auch daran, dass der Fokus und die Konzentration erhalten bleiben, selbst wenn die Spieler müde sind. Das ist besonders für die spielentscheidenden Momente im dritten oder vierten Viertel wichtig.

Als Trainer bist du relativ jung. Du hast schon ein wenig Erfahrung gesammelt aber nicht ein oder zwei Jahrzehnte so wie manch anderer. Auf Euroleague-Level hast du ein Jahr Erfahrung mit Köln, abgesehen davon bleibt europäisch noch ein wenig Erkenntnis aus dem Eurocup. Hast du dich schon über die Euroleague informiert und wie genau dort gespielt wird? Hast du das Team nach den Bedürfnissen für die Euroleague-Saison aufgestellt?

Wir haben nicht das hohe Budget, wie die anderen und besten Teams in Europa. In all diesen Jahren habe ich die Euroleague und die besten Eurocup-Teams gescoutet. In erster Linie für mein Wissen und Verständnis. Ich bin in meinem siebten Jahr als Coach und werde besser und besser. Ich würde nie zugeben, dass ich alles weiß. Ich bin mir bewusst, dass ich jedes Jahr dazulernen muss und nie aufhören darf, zu lernen. Wir werden nicht wie arrogante Ärsche in die Euroleague gehen. Wir wollen uns gut präsentieren und guten, toughen, aggressiven Basketball zeigen. Was dann dabei rauskommt, werden wir ja sehen. Es ist wichtig, dass wir nach Niederlagen, die bei Vereinen wie Maccabi und Unicaja mit dem doppelten und dreifachen Etat möglich sind, auch in der deutschen Bundesliga gegen schwächere Teams die richtige Antwort geben. Durch die Euroleague werden wir besser werden. Wir können nicht die besten Euroleague-Spieler verpflichten, wenn wir den Kader zusammenstellen, das darf man nicht vergessen.

Nihad Djedovic und Heiko Schaffartzik werden in der kommenden Spielzeit wichtige Rollen einnehmen. Leider werden sie erst sehr spät zum Team stoßen. Wie schwer wird es sein, sie zu so einem späten Zeitpunkt der Offseason in das Team zu integrieren?

Das könnte die Team-Chemie wirklich zerstören. Beide Spieler müssen verstehen, dass sie sehr spät zum Team kommen. Bestimmte Rollen werden schon verteilt sein. Beide verdienen natürlich eine gewisse Rolle und Spielzeit in dieser Mannschaft. Besonders wenn man die bereits erwähnten vielen Spiele hat. Andererseits bin ich ein defensiv orientierter Coach, von beiden Spielern wird erwartet, dass sie unsere besten Verteidiger sind. Was sie offensiv machen, wird sich schon ergeben. Sie müssen verstehen smart, tough und als Einheit zu spielen.

Seit du vor einigen Jahren die BBL als Trainer verlassen hast, hat sich die Liga ständig verändert. In den vergangenen Jahren hat Bamberg die Liga angeführt. Was erwartest du von der kommenden Spielzeit?

Es ist eine umkämpfte Liga, kein Zweifel. Es wird nicht einfach gegen die vielen Teams. Viele Mannschaften, auch von den „kleineren“, sind sehr heimstark. Wie gesagt, ich glaube an gute Vorbereitung und gutes scouting vor den Spielen. Ich glaube, die Spieler werden gut vorbereitet sein und wir haben eine gute Auswahl getroffen. Sollten wir nach der ersten Runde der Euroleague noch dabei sein, was jeder von uns will und sich wünscht, wird es sehr hart. Wenn man es in die zweite Runde schafft, spielt man fast bis April zwei Mal die Woche. Deswegen ist es auch wichtig, die Rotation zu verstehen.

Du hast als Spieler auf einem sehr hohen Niveau gespielt. Du hast nationale und internationale Meisterschaften gewonnen, bist Welt-und Europameister geworden. Wie sehr beeinflussen deine gemachten Erfahrungen als Spieler dich persönlich als Coach?

Dass ich als Spieler auf einem gewissen Niveau gespielt habe, hat mir als Trainer geholfen, denk ich. Aber ich weiß natürlich, dass das zwei verschiedene Jobs sind. Ich kann auf gewisse Erfahrungen zurückgreifen: ich wurde im Laufe meiner Karriere von den besten serbischen Coaches trainiert. Durch all die Meisterschaften die wir gewonnen haben, lernt man, welche Basis wichtig ist und unsere Mentalität, wie man etwas erreicht oder wie man arbeitet um an einen gewissen Punkt anzukommen. Man lernt auch, wie die Spieler denken über Basketball denken… (denkt kurz nach)…sorry ich hab den Faden verloren, ich hab dahinten meine Frau gesehen (lächelt). Ah genau: Basketball hat sich natürlich auch komplett verändert. Die Taktik ist anders. Die Menschen im europäischen Basketball, mit denen man trainiert oder arbeitet, sind nun auch andere. Es gibt also eine andere Mentalität. Wie gesagt, die Erfahrungen, die ich als Spieler gemacht habe, sind ein kleiner Teil auf den ich zurückgreife. Viel wichtiger ist jedoch, wie man seine eigene Philosophie als Trainer aufbaut und wie man zu seiner Philosophie steht und wie die Spieler folgen. Es ist ein guter Job mit viel Kreativität und ich versuche kreativ zu sein.

Letzte Frage: Zurück in die Zeit als du bei Alba gespielt hast. Hast du noch Kontakt zu den Teamkollegen aus der Zeit? Ist der Kontakt zu manchen abgerissen?

Mit Hendrik stehe ich im Kontakt. Mit Stephen Arigbabu und Okulaja auch. Mit Mithat arbeite ich ja jetzt zusammen. Hmm andere Jungs, wen noch…

… Alibegovic?

Ich habe ihn mal gesehen, aber er ist nicht mehr beim Basketball und in den letzten zwei Jahren war es schwer, wegen der vielen Reisen mit anderen Menschen im Kontakt zu bleiben.

 

Eine Frage ist mir gerade noch zu der Teamzusammenstellung eingefallen. Es gibt eine paar Zweifel zu der Größe von Deon Thompson. Es gibt größere Spieler auf dem Markt, die man vielleicht hätte unter Vertrag nehmen können aber du hast Deon ausgewählt. Welchen Vorteil bringt er gegenüber viel größeren Centern mit sich?

Es gibt große Center. Dann ist immer die Frage, was diese großen Center können. Spielverständnis ist für mich sehr wichtig. Deon kann auf zwei Positionen spielen, er könnte als zum Beispiel gemeinsam mit Yassin auf dem Feld stehen, der ja ein wenig größer als Deon ist. Ob er Inside oder Outside als Power Forward, welches ja seine eigentliche Position sein sollte, spielt: er kann sich anpassen und ist schnell. Ich beurteile die Spieler nie nach ihrer Körpergröße. Ich respektiere eher zwei Dinge:  Athletische Fähigkeiten und Spielverständnis. Es gibt Spieler die hoch springen können aber das Spiel nicht verstehen. Wieso brauchen wir so etwas? Es gab größere Spieler auf dem Markt die ich gerne gehabt hätte aber die sind zu teuer. Man muss immer das Gesamtbild betrachten und auch wenn es hart ist, die finanziellen Möglichkeiten muss man natürlich mit berücksichtigen.

Er ist athletisch und wird besonders nach dieser Woche in einem noch besseren Zustand sein. Er ist schnell, was auch gut für unser Spiel ist. Für meiner Strategie und Taktik passt er auch in das Team und er kommt aus einer guten Basketball-Schule und hatte gute Trainer. Das berücksichtige ich auch bei den Spielerverpflichtungen. Ich meide Spieler, die keine gute Grundausbildung hatten. Nach meinen Erfahrungen, ist es schwierig mit solchen Spielern.

Vielen Dank für das Gespräch.

5 Gedanken zu „Alba-Legende und neuer Headcoach: Sasa Obradovic im Interview“

  1. Da ist das versprochene Highlight und es ist wahrhaftig eines geworden.
    Bin beeindruckt das er scheinbar die letzte Saison durchanalysiert hat, obwohl durch die Umbrüche das Team ja nicht vergleichbar ist. Schön ist auch zu lesen das er alles und jeden bereit ist jederzeit zu hinterfragen. Selbstreflektion ist der erste Schritt zum Erfolg.
    Lustig finde ich seine Aussage zu den jüngsten im Kader, sie stören nicht. Bäm 🙂 aber danach gleich loben und sie qualitativ höher setzen als die Jungs in der Ukraine.
    Zuckerbrot und Peitsche 🙂 vllt ist es ja die richtige Strategie die Jungs zu entwickeln und wir sehen im Verlauf der Saison doch mal 6 deutsche in der Rotation.

  2. Den ersten jungen Deutschen durften wir ja gestern bereits erleben. Fülle hat seinen Job dem Anforderungsprofil eines Nachwuchs- und Ergänzungsspielers entsprechend gut gemeistert. Mal sehen, ob Ney und Monse dies auch noch zeigen können und werden. Ney gestern mit einem Lucca-Staiger-Gedächtnis-Auftritt: Aufs Feld, 3er gegen schlechte Defense kassiert und wieder runter. Obradovic‘ Aussage, „Sie stören nicht“, kann man ähnlich auch auf Spiele beziehen. Kommt der Nachwuchs aufs Feld, darf er nicht zum Risiko werden. Er muss ja nicht das Spiel drehen, aber eben den Spielfluss auch nicht stören.

  3. Fülle unserer Tadda? 🙂 So könnte er wahrscheinlich mehr Minuten abgreifen als Ney hinter Morley, Djedovic, und dem jeweiligen Pg der auf Sg spielt. Ich hoffe aber eh mehr auf den „kleinen“ Ney. Liegt sicher auch an meiner Affinität zu Big Man.

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