10 Jahre O2 World / MBA – 10 Meilensteine, pt 2

O2-World / Photo: Benjamin Moser
O2-World / Photo: Benjamin Moser

Vor genau 10 Jahren, d.h. am 21.09.2009 startete ALBA Berlin in eine neue Ära. Der Schritt in die neue, hochmoderne Arena in der Nähe des Ostbahnhofs – durchaus vorab kontrovers diskutiert – sollte den damals Vorzeigeverein des deutschen Basketballs auf ein neues level hieven. Nicht alle Vorstellungen gingen auf, noch wurde keine Meisterschaft gewonnen, aber es gab trotzdem große Dramen und grandiose Siege. Wir haben die unserer Meinung nach zehn größten Meilensteine der letzten zehn Jahre noch ein mal in Erinnerung gerufen und zum Abschluß könnt ihr entscheiden, welches DAS Ereignis für euch in der neuen Halle war … 

22.10.2008 – Die Rückkehr in die Euroleague gegen Rom

In vielerlei Hinsicht sollte die Saison 2008/2009 einen Aufbruch in eine neue Ära darstellen. Der Gewinn der Meisterschaft bedeute nämlich auch, dass man zurück auf der größten europäischen Bühne war!  Da gehörte der Verein in der eigenen Wahrnehmung auch dauerhaft hin, selbst nach vier Jahren im ULEB-Cup waren die Erinnerungen an die Zeiten noch frisch genug, als die internationalen Spitzenvereine regelmäßig in Berlin gastierten. Der Umzug in die o2-World sollte diesen Anspruch nochmal unterstreichen, schließlich wurde in der Arena im folgenden Frühling das Final Four ausgetragen und Alba machte sich Hoffnungen auf einen dauerhaften Startplatz in der Liga.

Groß war also die Vorfreude auf das erste Euroleague-Spiel im späten Oktober 2008. Der erste Gegner hatte es auch gleich in sich, in Lottomatica Rom kam ein ambitionierter Gegner an die Spree, mit namhaften Spielern wie Allan Ray, dem jungen Gigi Datome, Sani Becirovic, Primoz Brezec oder Brandon Jennings. Auch deswegen gingen die Albatrosse als klarer Underdog in die Partie, wehrten sich jedoch von der ersten Minute an tapfer und hielten das Spiel ständig eng. Dabei blitzten auch schöne Aktionen auf, so wie der Behind-the-back-Pass von Sasa Nadjfeji, der es prompt in die Top10 der Woche schaffte.  Die Zuschauer erlebten ein Spiel nach Drehbuch: Alba ständig im Rückstand, immer mit der Angst, die Klasse der Römer würde sich irgendwann durchsetzen. Im letzten Viertel übernahm man aber das Kommando und als Immanuel McElroy (17 Punkte, 9 Rebounds) einen 9-0 Lauf per Steal und Dunk zur 61-57 Führung komplettierte, explodierten die 12.500 Fans erstmals. Alba war in der neuen Halle angekommen! Wenige Sekunden vor Schluss sorgten McElroy und Nadjfeji per Pick’n’Roll für die Entscheidung, mit einem 67-61 Sieg meldete sich die Berliner in Europa zurück. Fast genauso wichtig war allerdings die Erkenntnis, dass ein „Max-Schmeling-Halle-Gefühl“ auch in der neuen Arena möglich ist.

24.03.2013 – Erster Titelgewinn in der nicht mehr so neuen Arena

Den Aufbruch in eine neue Ära hatten sich viele in Berlin anders vorgestellt. Titelgewinne en masse? Fehlanzeige. Nach dem Pokalsieg 2009 rannte der Verein den eigenen Ansprüchen eigentlich nur hinterher. Entsprechend groß war die Erwartungshaltung an das Pokal-Top-4 in der eigenen Halle Ende März 2013. Nach der fragwürdigen Pokalreform im Jahr 2010, hatte sich Alba nun als Ausrichter einen Startplatz im Halbfinale gesichert. Um zu erklären wie groß die Anspannung vor dem Wochenende war, muss man etwas ausholen:

Ambitioniert startete Alba in die Saison 2012/2013. Sasa Obradovic brachte als neuer Trainer Optimismus zurück in den Verein, eine Euroleague-Wildcard ermöglichte die Zusammenstellung eines talentierten Kaders, hinzu kam noch das Spiel gegen die Dallas Mavericks zu Saisonbeginn. Nach ansehnlichem Start in die Saison und Erreichen der Euroleague-Top 16 kam allerdings im Verlaufe der Zeit der Bruch. Schwere Verletzungen von Leistungsträgern, die Knochenmühle Europa und angespannte zwischenmenschliche Beziehungen innerhalb des Vereins machten sich bemerkbar. Das Pokal-Wochenende sollte nun also die Saison wieder in die richtige Richtung lenken.

Entsprechend groß war der Aufwand vom Verein eine geschlossene Atmosphäre zu kreieren um endlich wieder einen Titel holen zu können. Im Halbfinale wartete mit Bayern München der neue Rivale, der im Vorfeld den Titelverteidiger aus Bamberg ausgeschaltet hatte. Alba gelang es überraschenderweise die schlechten Leistungen der Vorwochen vergessen zu machen und dominierte den Emporkömmling aus dem Süden über weite Strecken des Spiels. Ein wenig erinnerte es an die guten alten Zeiten, als Alba in den entscheidenden Spielen immer noch eine Schippe zulegen konnte.

Umkämpfter wurde am Folgetag das Finale gegen starke Ulmer, die von John Bryant angeführt wurden. Keiner Mannschaft gelang es im Finale die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen, bis zum Schlussviertel blieb das Spiel spannend, bevor sich Alba mit einem Kraftakt in den letzten zehn Minuten doch nochmal entscheidend absetzen konnte. In Erinnerung bleibt dabei die Leistung von Zach Morley, der bis dato eher für seine Vielseitigkeit geschätzt wurde, im Finale aber mit 24 Punkten und wichtigen Distanzwürfen seine Mannschaft in der entscheidenden Phase trug. Groß fiel nach der Schlusssirene der Jubel aus, Anspannung und der Druck auf den Verein entluden sich in einer wilden Fete.

Letztlich konnte der Pokalsieg aber die Wogen intern nicht glätten. Wenig später wurden Streitereien um Vertragsverlängerungen oder Auseinandersetzungen zwischen Trainer und Spieler publik, die Mannschaft würgte sich durch die Saison. Entsprechend schied man in den Playoffs sang und klanglos im Viertelfinale aus. In einer Saison zum vergessen blieb der erste Titelgewinn in der nicht mehr so neuen o2-World eine der wenigen positiven Erinnerungen.

19.03.2015 – Skandalspiel gegen Galatasaray Istanbul

Die Bindung an einem Verein wird nicht nur über positive Erlebnisse gestärkt, sondern auch durch negative: Schmerzhafte Niederlagen, Abstiege, Enttäuschungen prägen sich ein und können auf die Dauer sogar stärker zur Identifikation beitragen als so mancher x-beliebige Sieg. Anders dürfte es sich allerdings mit den Erfahrungen verhalten, die die Alba-Fans und der Verein am 19. März 2015 machen mussten. Für die Berliner ging es um viel, ein Sieg musste her um die Chance auf den Viertelfinal-Einzug in der Euroleague zu wahren. Von dieser Hoffnung hatten sich die Gäste aus Istanbul schon fast verabschiedet, hinzu kamen noch im Vorfeld bekannt gewordene Probleme durch nicht ausgezahlte Gehälter. Dennoch hatten sich mehrere hundert Galatasaray-Fans auf den Weg in die Halle gemacht, es herrschte bereits vor Spielbeginn eine intensive, angespannte Stimmung. Eine Stimmung, die urplötzlich ins hässliche kippte, als sich ein größerer Mob von Gästefans zunächst in Richtung Haupttribüne in Gang setzte und anschließend den Alba-Block stürmte. Stühle und Fäuste flogen, ein Böller explodierte, haufenweise Alba-Fanutensilien geklaut wurden. Wer das Glück hatte, nicht selbst im Pulk zu stecken, musste von außen betrachten, wie die Situation nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Erst nach einigen Minuten zogen sich die gewaltsuchenden Gästefans in ihrem Block zurück. Infolgedessen wurde das Spiel erst um 22 Uhr angepfiffen. Alba gewann die Partie mehr oder weniger souverän, doch erinnern werden sich diejenigen, die die Halle an diesem Abend noch nicht verlassen hatte, eher an die gespenstische Atmosphäre nach den Randalen oder an Reggie Redding, der die Kinder von Cliff Hammonds in Sicherheit brachte. An Basketball war nicht zu denken.

08.10.2014- NBA-Sieger-Besieger

Dieser Wurf! Wenn es eine prägnante Aktion gibt, die die Alba-Fans wohl auch in 20 Jahren noch ganz genau im Kopf haben werden, dann wohl diese eine Aktion: Steal Redding, Pass auf Radosevic, der den Ball auf McLean weiterleitet. Der Neuzugang dribbelt nach vorne, hebt kurz hinter der Dreierlinie ab und wirft einen wilden Floater in Richtung Korb. Der Ball knallt mit der Schlusssirene vom Brett durch den Ring, das Publikum flippt aus. Alba hat tatsächlich den amtierenden NBA-Champion besiegt!

Ja, es war nur ein Testspiel. Ja, die Gäste aus San Antonio hatten gerade mal ein paar Trainingseinheiten absolviert und waren sicherlich nicht so motiviert in die Begegnung gegangen, wie die Gastgeber. Wobei das Wort Gastgeber in diesem Fall nicht passte, denn eigentlich war Alba in diesem Fall eher Gast im eigenen Haus. Wie schon drei Jahre zuvor war der NBA-Zirkus in der Stadt gekommen und die beste Basketballliga der Welt übernahm für einige Tage prompt die Kontrolle. Mit den San Antonio Spurs kam schließlich nicht irgendeine Mannschaft nach Berlin, sondern ein amtierender Titelträger, der mit Greg Popovich die NBA in den vorhergegangenen 15 Jahren immer ganz oben mitgespielt hatte und mehrere Meisterschaften feiern konnte. Stars wie Tim Duncan, Kawhi Leonard, Tony Parker, Manu Ginobili und Co. lockten europäische Journalisten nach Berlin, die das von der NBA anberaumte Medientraining zahlreich besuchten.

Weltstars zum Anfassen
Weltstars zum Anfassen

Groß war also die Bühne für das Spiel im Oktober, volle Halle, NBA-Rahmenprogramm und jede Menge mehr oder weniger Prominente Menschen auf der Tribüne. Die Spurs beeindruckte das alles nicht wirklich, früh setzten sich die Texaner, die in den Anfangsminuten tatsächlich ihre Stars aufs Feld geschickt hatten, deutlich ab und dominierten die Berliner nach Lust und Laune. Beim Zwischenstand von 6 zu 22 und 10-26 deutete nichts auf eine mögliche Überraschung hin. Entsprechend wurden nun auch die Reservisten der Spurs aufs Feld geschickt, eine Chance die sich das Team von Sasa Obradovic nicht nehmen ließ und den Rückstand bis zum ersten Viertels verkürzte (18-26). Die Albatrosse hatten sich nun ins Spiel gebissen und ließen nun nicht mehr los. Die Gäste mussten nun schon auf Experimente verzichten und schickten in der zweiten Halbzeit fast ausschließlich die besten Spieler aufs Parkett. Auch wenn die Spurs gerade mit der Saisonvorbereitung angefangen hatten, der Ehrgeiz hatte das Team mittlerweile gepackt, verlieren wollte man dieses Spiel definitiv nicht. Das erkannte man beispielsweise auch daran, als Tony Parker drei Minuten vor Schluss einen wilden Dreier traf und anschließend Alex Renfroe noch ein paar nette Worte hinterher rief. Entsprechend muss man die Leistung von Alba anerkennen. Der Mannschaft gelang es gegen einen klar stärkeren Gegner mitzuhalten und selbst bei 10 Sekunden verbleibender Spielzeit und 4 Punkten Rückstand, zog man den Kopf noch aus der Schlinge. Reggie Redding verkürzte per Dreier, Auszeit San Antonio. Der Rest ist Geschichte. Diesen Sieg wird man so schnell nicht vergessen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.